Bahnstreik Wirtschaft warnt vor Logistik-Chaos in Deutschland
Berlin - Angela Merkel sorgt sich, der Tarifkonflikt könne zu Behinderungen für Urlaubsreisende führen. Sie appellierte an die Verantwortung der Tarifpartner. "Jetzt in der Ferienzeit wäre es natürlich wünschenswert, dass die Menschen ihren Urlaubsort auch mit der Bahn möglichst unbeschwert und gut erreichen können", sagte die Bundeskanzlerin am Wochenende.
Auch die deutsche Wirtschaft fürchtet schwere Störungen bei einem unbefristeten flächendeckenden Streik der Lokführer. Verbände warnten vor schweren Störungen in der Produktion und forderten die Tarifparteien auf, eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden.
"Viele Unternehmen sind zwingend auf einen zuverlässigen Schienenverkehr angewiesen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, der "Berliner Zeitung". Störungen im Transportablauf könnten eine Kette von Produktionsunterbrechungen nach sich ziehen. "Die Kosten eines Streiks für die Wirtschaft wären daher immens."
Mehdorn: Machtspiele einer Klein-Gewerkschaft
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte, dass "mit erheblichen Konsequenzen" zu rechnen sei. Der Leiter der Abteilung Energie, Verkehr und Telekommunikation, Kay-Dirk Lindemann, verwies darauf, dass täglich Tausende Tonnen Güter auf der Schiene transportiert würden, die eng in die logistischen Prozesse der Unternehmen eingebunden seien. "Die Transportabläufe auf Straße und Schiene sind die Achillesferse ganzer Wertschöpfungsketten in Deutschland."
Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hatte am Freitag bekräftigt, die Urabstimmung über einen Arbeitskampf werde am Montag eingeleitet. Nach Angaben der Gewerkschaft könnte dann ab dem 7. August für mehrere Tage gestreikt werden. Die Gewerkschaft will einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer durchsetzen und fordert Lohnerhöhungen von mindestens 31 Prozent.
Am schärfsten äußerte sich naturgemäß Bahnchef Hartmut Mehdorn. Millionen von Bahnkunden, die sich auf den Urlaub freuten, dürften nicht unter den "Machtspielen einer kleinen Gewerkschaft" leiden, schimpft er in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". "Im Interesse unserer Kunden wird die DB nicht müde, weiter die Hand auszustrecken", schrieb Mehdorn.
Die Tür für Gespräche sei nicht zugeschlagen. "Nur eines werde ich nicht zulassen: Dass wenige Gewerkschaftsfunktionäre die beispiellose Sanierungsleistung von 230.000 Bahnmitarbeitern kaputt machen."
itz/dpa/AFP/Reuters