Bank-Probleme Milliardenverlust bei Dresdner - Allianz-Aktie verliert
Frankfurt am Main/München - Nach Handelsauftakt war die Allianz-Aktie zunächst der schwächste Wert im Dax 30. Im Verlauf des Vormittags erholte sich der Wert etwas. Kurz vor Mittag notierte das Papier bei 92,59 Euro, ein Minus von 2,3 Prozent. Der Dax insgesamt verlor 1,5 Prozent.
"Die Daten sind nicht ganz neu, die Allianz-Aktien werden aber auch vom Kursrutsch an den Börsen belastet", sagte ein Händler. Er bezog sich auf einen Magazinbericht, demzufolge die Dresdner Bank 2003 zwei Milliarden Euro verloren habe.
2002 hatte das Bankgeschäft bei der Allianz noch einen Verlust von knapp 1,4 Milliarden Euro verursacht. Die genauen Zahlen für 2003 sollen am Donnerstag veröffentlicht werden. Der Fehlbetrag 2003 resultiert vermutlich vor allem aus Rationalisierungsaufwendungen und Abschreibungen.
Vorstandschef Herbert Walter habe sie allesamt in die letztjährige Bilanz einfließen lasen, um reinen Tisch zu machen, hieß es in Finanzkreisen. Operativ nähere sich die Allianz-Tochter wieder den schwarzen Zahlen. So habe die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein im vergangenen Jahr mit einem Plus in der Größenordnung von 300 Millionen Euro abgeschlossen.
Schon über 15.000 Stellen gekappt
Der Allianz-Konzern insgesamt kann die Verluste der Bank-Tochter durchaus verkraften- Analysten rechnen damit, dass der Konzern einen Gewinn von 1,94 Milliarden Euro ausweisen wird, nach einem Verlust von 1,167 Milliarden Euro im Jahr 2002. Trotzdem muss Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann erneut rechtfertigen, warum der Kauf der Dresdner Bank Sinn macht. Diekmanns Vorgänger Henning Schulte-Noelle hatte versprochen, durch die Allfinanz-Strategie würden Bank und Versicherer gleichermaßen gestärkt. Eine ertragsstarke Bank solle einen attraktiven Vertriebskanal für die eigenen Finanzprodukte bilden. Doch die Bankenkrise erwischte auch die neue Allianz-Tochter - das Kreditinstitut entwickelte sich zum Sorgenkind des Versicherungskonzerns.
Dresdner-Chef Walter, der vor einem Jahr aus dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank an die Spitze der Dresdner wechselte, beschloss im vergangenen Sommer ein neues Sparprogramm - für die Bank das vierte seit 2000. In diesem und im kommenden Jahr müssen noch einmal 4700 Mitarbeiter gehen. Schon vorher war die Beschäftigtenzahl von einst mehr als 50.000 auf rund 35.000 gesunken.
"Bank wie einen Kaugummi kaufen"
Einige Analysten sind mit Walters Erfolgen durchaus zufrieden - und sehen auch den Milliardenverlust als eher positives Zeichen. "So bitter das auch ist: Je mehr Verluste jetzt anfallen, desto besser sind die Zukunftsaussichten der Bank", so Jochen Schmitt von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Die Befreiung von Lasten helfe bei der Neuausrichtung.
Den Analysten der HypoVereinsbank geht das Konzept für die "Neue Dresdner" allerdings noch nicht weit genug. Sie legen Diekmann und Walter die Trennung vom kompletten Firmengeschäft der Bank nahe. Ähnlich wie die Postbank in den Filialen des Mutterkonzerns Deutsche Post untergeschlüpft ist, könnten Allianz-Vertreter bis in die Provinz hinein Produkte der Dresdner Bank anbieten und so das Massengeschäft kräftig ausbauen.
Ob solche Pläne realistisch sind, werden die Ausführungen der Konzern-Manager am Donnerstag zeigen. Einen Komplettverkauf des viertgrößten deutschen Geldinstituts schloss Walter gegenüber dem SPIEGEL hingegen aus. Die Dresdner Bank habe anders als manche Wettbewerber ihren "Zielhafen" schon erreicht, meinte er und fügte hinzu: "Oder glauben Sie, die Allianz kauft eine Bank wie Sie einen Kaugummi?"