VERBRAUCHERSCHÜTZER Bank sei Dank
Den Kampf gegen undurchsichtige Finanzhaie führt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ-NRW) unerschrocken an vorderster Front. Das Vereinsorgan »Verbraucher Aktuell« warnte in seiner Oktober-Ausgabe zum Beispiel vor »Zinserhöhungen durch die Hintertür«.
Unter den Verbraucherschützern genießt der Verein mit Sitz in Düsseldorf einen guten Ruf. Vor allem wenn es um die Kontrolle von Finanzdienstleistungen geht, gilt die VZ-NRW als erste Adresse. Nur bei den eigenen Finanzen schien dem Verein bislang allzu viel Transparenz peinlich zu sein.
Dass nämlich »Verbraucher Aktuell« nur dank einer jährlichen 50 000-Euro-Spende der Frankfurter Direktbank ING-DiBa erscheinen kann, wird weder im Geschäftsbericht des Vereins noch in der Zeitschrift selbst erwähnt - obwohl ein Weblogger bereits Anfang des Jahres über die großzügige Gabe berichtet hatte.
Die Zuwendung durch die Hintertür ist eine Folge der Finanznot, unter der auch die anderen 15 Verbraucherzentralen in Deutschland leiden. Um fast ein Fünftel haben die Bundesländer die institutionellen Fördermittel in den vergangenen vier Jahren gekürzt, in Thüringen will die Regierung diese Mittel gar um 80 Prozent zusammenstreichen. Bundesweit mussten Beratungsstellen geschlossen werden.
Auch »Verbraucher Aktuell« stand 2004 vor dem Aus. Groß war deshalb die Erleichterung, als die ING-DiBa anbot, das Loch in der Kasse mit einem Beitrag über einen Förderverein zu stopfen. Die Verbraucherschützer nennen das »Anbieter-Mitfinanzierung« und wollen die Unternehmen und Wirtschaftsverbände vermehrt zur Kasse bitten. Seit einigen Jahren sind beispielsweise die Spitzenverbände der Krankenkassen verpflichtet, jährlich gut fünf Millionen Euro unter anderem für Patientenberatung zur Verfügung zu stellen.
Die Suche nach freiwilligen Sponsoren gestaltet sich aber schwierig. Nur bei wenigen Zentralen machen die privaten Zuwendungen einen größeren Anteil am Gesamtbudget aus, im Saarland zum Beispiel etwa neun Prozent. Neben der ING-DiBa sind es vor allem Sparkassen, die Verbraucherschutzförderung als Teil ihrer Marketing-Strategie verstehen. Und dies durchaus eigennützig.
»Wir verstehen uns als qualitativen Wettbewerber«, sagt Ulrich Ott von der Direktbank selbstbewusst. Seine Bank biete den Kunden faire Konditionen, verzichte auf Lockangebote und scheue deshalb aufgeklärte Konsumenten nicht - im Gegenteil. Über das Transparenzdefizit der VZ-NRW ist auch Ott wenig glücklich: »Wir haben zwar keine Werbung erwartet, aber eine Erwähnung wäre doch auch im Interesse der Zentrale gewesen.« Edda Müller, Vorstand des Bundesverbandes, stellt klar, dass bei künftigen Finanzierungsmodellen »die Transparenz in jedem Fall gegeben sein muss«.
Ihr neuer Kollege in Düsseldorf, Namensvetter Klaus Müller, will jetzt Klarheit schaffen. Seit Juli leitet der Ex-Umweltminister von Schleswig-Holstein die VZ-NRW, Ende vorvergangener Woche ließ er einen Hinweis auf die ING-DiBa-Spende ins Internet stellen. Fortan soll auch der Geschäftsbericht detailliert Auskunft über private Zuschüsse geben. Vor allem aber will Müller mit Elan in der Privatwirtschaft um Fördermittel werben. Die Spenden sollen vom kommenden Jahr an in eine neue Stiftung fließen, die Zinserträge kämen dann der VZ-NRW zugute.
Auch ins Geschäft mit kostenpflichtigen Gütesiegeln will Müller einsteigen. Seine Zentrale hat bereits erste Erfahrungen mit der Zertifizierung gewerblicher Web-Seiten gesammelt. In der Schublade liegen Projekte für die Überprüfung von Verträgen in der Altenheim- und Pflegebranche.
Doch mit solchen Ideen stößt der emsige Verbraucherschützer aus Düsseldorf bei seinem Bundesverband noch auf Skepsis. Schließlich vergeben in Deutschland bereits unzählige Organisationen etliche Qualitätsauszeichnungen, allen voran die drei großen, scharf konkurrierenden TÜV-Vereine. Da müsse ihr Verband schon noch »sehr genau diskutieren«, sagt Edda Müller, ob man sich in diesen »Wildwuchs« begeben wolle. SEBASTIAN RAMSPECK