Banken: Ackermann fordert Rückzug des Staates - DER SPIEGEL
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Banken Ackermann fordert Rückzug des Staates

Nach Einschätzung des Vorstandschefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann, verkauft sich Deutschland als Bankenstandort unter Wert. Er fordert eine Konsolidierung der Branche - und vor allem weniger Staat.
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Frankfurt am Main - Trotz der zum Teil sehr guten Ergebnisse der letzten zwei Jahre täten sich die deutschen Institute in Sachen Rentabilität noch schwer, mit den anderen im Wettbewerb mitzuhalten, sagte Ackermann gestern auf einer Veranstaltung in Frankfurt. "Ich wünsche mir für Deutschland eine der Größe und Bedeutung unseres Landes als Wirtschaftsnation entsprechende starke Bankenlandschaft, die auch in der Champions-League mitspielen kann."

Davon sei das Land noch ein Stück weit entfernt. Fehler in der Vergangenheit seien ein Grund dafür. Doch auch das starre Bankensystem und ein Marktanteil des Staates in dieser Branche von mehr als 40 Prozent trügen zu diesem Manko bei, betonte Ackermann. "In der deutschen Politik stoßen jedoch Vorschläge zur Privatisierung und Marktöffnung auf Ablehnung. Leider." Mit dieser politischen Haltung enthalte man dem Finanzplatz Deutschland und damit der deutschen Volkswirtschaft große Chancen vor.

Die europäischen Nachbarn stünden mit ihren Instituten deutlich besser da, sagte der Deutsche-Bank-Chef. "Rechtzeitig haben sie Strukturreformen auf den Weg gebracht und fahren jetzt die Ernte ein." Sie verfügten über starke nationale Banken, die bei einer grenzüberschreitenden Konsolidierung tendenziell im Vorteil seien. In Deutschland müsse es bei den steuerlichen Rahmenbedingungen und im Rechtssystem Verbesserungen geben.

Ackermann bekräftigte am Rande der Veranstaltung, dass die Deutsche Bank   im deutschen Privatkundengeschäft nach den jüngsten Zukäufen von Berliner Bank und Norisbank vor allem Wachstum aus eigener Kraft anstrebe. "Wir versuchen, organisch weiter zu wachsen." Zu Spekulationen, sein Institut könne an einer Übernahme der Postbank   oder der Allianz  -Tochter Dresdner Bank interessiert sein, wollte Ackermann sich nicht äußern.

Der Deutsche-Bank-Chef wiederholte seine frühere Forderung, in Deutschland strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen. Er sei ein großer Unterstützer der offenen Märkte, doch auch andere Länder schützten ihre Schlüsselindustrien vor dem Zugriff ausländischer Investoren. "Wir müssen klare Spielregeln finden", betonte Ackermann. Es gelte, die schützenswerten Bereiche klar zu bestimmen. Welche das sein könnten, dazu wollte sich der Deutsche-Bank-Chef nicht äußern. Dies sei eine politische Fragestellung.

mik/dpa-AFX