Banken-Profite Deutsche, lernt von den Schotten!
London/Frankfurt am Main - Erst am Mittwoch hatte die Commerzbank dank beträchtlicher Abschreibungen den größten Jahresverlust ihrer Geschichte melden müssen. Den Nachbarn von der Deutschen Bank geht es nach einer harten Sanierung zwar inzwischen wieder besser - mit einem Konzerngewinn von 1,4 Milliarden Euro 2003 spielt das größte deutsche Kreditinstitut aber keineswegs in der globalen Oberliga.
Das zeigt der Blick nach Großbritannien: Die Royal Bank of Scotland (RBOS) hat 2003 einen Rekordgewinn in Höhe von 7,15 Milliarden Pfund erzielt - das entspricht 10,3 Milliarden Euro. Damit haben sich die Profite der Schotten im Vorjahresvergleich um elf Prozent erhöht. Nach Medienberichten ist das Ergebnis der höchste jemals von einer britischen Bank eingefahrene Gewinn.
Bank-Chef nährt Fusionsgerüchte
Begründet wurde das Ergebnis unter anderem mit einem starken Zuwachs bei den Einkünften, Kosteneinsparungen durch die Akquisition der Bank NatWest und einem stabilen Kreditaufkommen. RBOS zählt zu den drei größten britischen Banken.
Dem Bankhaus wird nach dem Kauf des Kreditkartengeschäfts der People's Bank of Connecticut Anfang Februar nun Interesse an mehreren anderen Instituten nachgesagt. Dazu zählen unter anderem die New Yorker Bank GreenPoint, Providian Financial, Capital One sowie die zu Prudential gehörende Onlinebank Egg.
Im vergangenen Jahr hatte die RBOS unter anderem von der HVB die Schweizer Bank von Ernst für 500 Millionen Franken gekauft. Britischen Presseberichten zufolge haben die Schotten auch Interesse an der HVB selbst. Seit einigen Monaten wird spekuliert, RBOS oder Konkurrent HSBC könnten in Deutschland zukaufen.
Die Aktien der schottischen Bank stiegen am Donnerstag gegen Mittag um 3,18 Prozent auf 1.687 Pence und lagen damit im Spitzenfeld des FTSE-100-Index. Zugleich stieg der Leitindex um 1,15 Prozent auf 4493,80 Punkte.
Die Bank habe mit dem Vorsteuergewinn vor Sonderposten für 2003 am oberen Ende der Analystenprognose gelegen, sagten Händler. Unternehmenschef Fred Goodwin sagte, RBOS erwäge einen Aktienrückkauf. Zugleich sprach er von der Möglichkeit weiterer Unternehmenszukäufe und nährte damit die Fusionsspekulationen.