Banken-Stresstest: So ist ihr Geld sicher - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Anlage-Tipp Banken und andere Krisen - so ist Ihr Geld sicher

Der europäische Bankenstresstest weckt Ängste um das eigene Ersparte. Doch keine Sorge: Ihr Geld ist sicher - solange Sie ein paar Regeln beachten.
Blick auf das Frankfurter Bankenviertel
Blick auf das Frankfurter Bankenviertel

Blick auf das Frankfurter Bankenviertel

Foto: Max Rumpenhorst/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lieber Sparer, wann haben Sie sich zuletzt Sorgen gemacht, Ihre Bank könnte unsicher sein? Ich meine die Bank, bei der Sie Ihr Gehaltskonto haben, 10.000 Euro als Tagesgeld und 20.000 als Rentenfonds oder Festgeld angelegt? Gestern? Heute? Haben Sie vor dem Radio die Ohren gespitzt, ob Ihre Bank beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht negativ aufgefallen ist?

Die meisten von uns haben hoffentlich andere Sorgen. Und das ist auch okay so: Denn Ihre Sparkasse oder Volksbank, Ihre Spardabank, die Deutsche Bank, die Postbank oder die ING-Diba geben zu solchen Sorgen aktuell keinen Anlass. Schon gar nicht bei den oben genannten Summen. Erspartes in der Höhe ist ohnehin Schonvermögen, 100.000 Euro an Spareinlagen sind pro Kunde von Gesetzes wegen in der EU versichert. Und die deutschen Banken garantieren freiwillig sogar für noch höhere Summen.

Krisen gibt es derzeit mehr als genug: die Brexit-Entscheidung der Briten, die 360 Milliarden Euro fauler Kredite bei italienische Banken, Erdogans Reaktionen auf den Putschversuch in der Türkei, die lahmende Konjunktur im Euroraum und mit all dem verknüpft die anhaltende Niedrigzinsphase.

Zeit also, sich über sein Geld noch mal Gedanken zu machen. Nehmen wir dazu eine kleine Überschlagsrechnung vor: 10.000 Euro zu einem Zinssatz von 1 Prozent angelegt, bringen 100 Euro Zinsen pro Jahr. Bei einem Satz von 0,01 Prozent kommt nur 1 Euro Zinsen raus.

30.000 Euro auf dem Festgeldkonto mit 1,4 Prozent im Jahr läppern sich über drei Jahre zu mehr als 1250 Euro Zinsen. Bei 0,15 Prozent Zinsen sind es im gleichen Zeitraum hingegen nur rund 135 Euro.

Ihr Bankberater hat Ihnen vermutlich schon gesagt, Sie müssten in der aktuellen Situation endlich den Schritt machen und in Aktien anlegen. (Oder er wird es bald tun.)

Achten Sie auf die richtige Streuung und die Kosten

Und weil Sie ja noch nicht so viel Erfahrung haben, empfiehlt der Bankberater einen internationalen Aktienfonds und zeigt Ihnen, dass Sie mit dem Fonds in den vergangenen fünf Jahren das eingesetzte Geld glatt verdoppelt hätten. Außerdem würden Sie mit einem solchen Fonds in Sachwerte investieren. Ihnen gehört damit schließlich ein Teil von Siemens, Apple und Nintendo. Und damit sei Wachstum garantiert.

Ihr Berater hat im Prinzip Recht. Aber eben nur im Prinzip: Es kommt auf die Details an. Oder sagen wir es genauer: Auf die richtige Streuung der Anlage und auf die Kosten.

Kaufen Sie für 10.000 Euro bei Ihrer Hausbank den angepriesenen Aktienfonds, fällt in der Regel als erstes ein Ausgabeaufschlag an. Typische Beispiele sind 3,5 Prozent für den "Deka Deutschlandgarant-2" der Sparkassen-Investmentfirma oder 5 Prozent für den "DWS Deutschland" der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Das sind gleich am Anfang schon mal 350 oder 500 Euro an Verlust, die Sie erst mal durch Rendite wieder reinholen müssen (siehe Tabelle).

Aktienfonds

Fonds WKN Ausgabeaufschlag
DWS Deutschland 849096 5%
DWS Top Dividende 984811 5%
DWS Vermoegensbildungsfonds I 847652 5%
DEKA-DIVIDENDENSTRATEGIE-CF DK2CDS 3,75%
DEKA-DEUTSCHLANDGARANT-2 DK1A6F 3,50%
Arideka CF 847451 5,26%
Uniglobal 849105 5%
INVEST-EUROLAND 975791 3%
UNIDEUTSCHLAND 975011 4%
Quelle: Onvista Finanzportal

Und während völlig unsicher ist, ob der vorgeschlagene Fonds die Rendite der vergangenen fünf Jahre auch weiter bringt, ist eines sicher: die zwei Prozent jährliche Managementgebühr, die der Fonds verlangt, also jedes Jahr zwei weitere Hunderter zusätzlich. (Die Hälfte davon bekommt übrigens auch Ihre Bank.)

Das ist im Detail also keine gute Lösung. Weil der Tipp mit den Aktien im Prinzip aber richtig ist, hier nun die preiswerte und damit sinnvolle Variante:

Bitten Sie Ihren Berater, er möge Ihnen einen vernünftigen weltweiten Indexfonds (ETF) vermitteln - und zwar einen ohne Ausgabeaufschlag. Einen mit marktüblich günstigen Verwaltungskosten von bloß rund 20 Euro im Jahr. Denn hier muss nichts gemanagt werden, niemand muss sekundenschnell kaufen oder verkaufen, geschickt auf oder gegen den Markt wetten, es muss bloß ein möglichst breiter Index - wie etwa der Dax - exakt nachgebildet werden. Teure Manager werden ebenso wenig gebraucht wie jährliche Bestandsprovisionen bei Ihrer Bank.

Gut möglich, dass Ihr Bankberater hier passen muss.

Machen Sie sich übrigens klar, dass eine weitere Verdoppelung des Wertes in fünf Jahren bei jedem Aktienfonds - gemanagt oder Index - eher unwahrscheinlich ist. Auch zwischenzeitliche Verluste sind drin. Deswegen sollten Sie die 10.000 Euro im Indexfonds 10 bis 15 Jahre liegen lassen können. Dann sind Verluste extrem unwahrscheinlich, in der Vergangenheit gab es sie bei einem Zeitraum von 15 Jahren im MSCI World, einem weltweiten Index der 1600 Unternehmen listet, gar nicht. Stattdessen gab es während der vergangenen 44 Jahre im Schnitt mehr als 6 Prozent Rendite pro Jahr. 

Die oben genannten Krisen (Brexit, Italien, Türkei) zeigen auch, warum Sie Ihr Geld international streuen sollten statt nur in eine Firma in einem Land zu investieren. Mal geht es der Wirtschaft in England schlecht, mal in Frankreich, mal in Italien, in der Türkei, in Südafrika, Brasilien oder auch in den USA. Und wenn Sie als Deutscher in Deutschland arbeiten und dann auch noch in deutsche Aktien, womöglich die Ihres eigenen Unternehmens, anlegen, dann verlieren Sie im Falle einer Krise womöglich gleichzeitig Erspartes und den Job.

Wer sein Geld nicht nur in einem Land anlegt, kann also den meisten Krisen ruhig begegnen. Und wer mehr als zehn Jahre Zeit hat, schläft noch ruhiger. Und wenn Ihre Bank das nicht anbietet, ist es höchste Zeit, die Bank zu wechseln .

Wenn Sie mögen, können Sie sich jetzt noch die gestrigen Warnungen der Europäischen Bankenaufsicht aus dem Stresstest anschauen. Sie müssen aber nicht.

Zum Autor

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »taz«. Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.