Bankenfusion "Abschied von der Deutschland AG"
Frankfurt am Main - Der für den 1. Juli geplante Zusammenschluss unter Gleichen "ist der Start zur innerdeutschen Konsolidierung im Bankenmarkt" umschrieb Breuer das Fusionsvorhaben. Andere Staaten seien in dem Feld voraus. "Wir wollten nicht getrieben werden", sagte der Banker, der mit Walter gemeinsam die "Deutsche Bank Neu" führen wird. Das bedeute auch eine "Entflechtung" der Finanzwelt hier zu Lande, den "Abschied von der Deutschland AG". Gemeint ist damit, dass beide Geldhäuser und die Allianz, die bislang umfangreiche Kapitalverflechtungen unterhalten, die Beteiligungen auf unter fünf Prozent zurückfahren.
Quasi im Gegenzug wird die Allianz am Massengeschäft für "kleine" Privatkunden, das in der Deutschen Bank 24 aufgeht, einen Anteil von rund einem Drittel übernehmen. Binnen drei Jahren soll dieser Bereich an die Börse gehen. Zudem übernimmt der Versicherungskonzern die Fondsgesellschaft DWS und den Deutschen Herold.
Zuvor wird das Filialgeschäft aber massiv verschlankt: 800 der 2500 Zweigstellen beider Banken werden geschlossen. 5900 Stellen, so genannte "MAK", wie Breuer sie bezeichnete, werden in dem Bereich gestrichen. "Der Kunde leidet nicht unter dem Zusammenschluss", versprach der Vorstandschef in dem Zusammenhang.
Im Zuge von Synergieeinsparungen, die insgesamt einen Wert von 2,8 Milliarden Euro ausmachen sollen, fallen zudem weitere 10.000 Jobs in anderen Geschäftsbereichen weg. "Nicht alle können dabeibleiben", sagte Breuer. Aber diejenigen, die blieben, hätten gute Entfaltungsmöglichkeiten. Beim Arbeitsplatzabbau ab 2001 werde versucht, durch Ausnutzung der Fluktuation betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Verhandlungen mit den Betriebsräten würden umgehend aufgenommen.
Umstrittener Vorstand Boehm-Bezing bleibt
Auch eine Reihe von Vorständen müssen gehen. Während der Fusionsphase würden acht Top-Manager der Deutschen Bank, darunter auch der wegen der Holzmann-Affäre umstrittene Carl von Boehm-Bezing, sowie sechs der Dresdner Bank das neue Geldhaus führen, erklärte Walter. Nach Vollzug des Zusammenschlusses werde die Zahl auf zehn im Verhältnis sechs zu vier reduziert. Dass diese Verteilung nach Proporz gewählt wurde - das Aktientauschverhältnis zwischen den Banken soll in etwa 60:40 zu Gunsten der Deutschen Bank betragen - wiesen Breuer und Walter zurück. Es gehe allein nach Eignung.
"Kräftige Investitionen" in den E-Commerce
Für die Zukunft haben sich die Fusionspartner viel vorgenommen. Auf Basis einer starken Stellung im inländischen Markt, so Breuer, wolle man als europäisches "Powerhouse" international expandieren. Vor allem in den E-Commerce werde "kräftig, kräftig investiert", betonte Walter.
In dem Zusammenhang nannte er Meldungen, die Investmentsparte der Dresdner Bank, Kleinwort Benson, werde geschlossen oder verkauft, "baren Unsinn". Das sei ein "Juwel" assistierte seine Kollege. Er kündigte eine massive Ausweitung des Geschäfts an. In der Kriegskasse seien nach der Fusion 33 Milliarden Euro. Breuer: "Wir haben Pulver."