Bankenfusion UniCredito übernimmt HypoVereinsbank
München - Das Kontrollgremium empfahl den Aktionären heute nach mehrstündiger Diskussion, das Übernahmeangebot der Italiener anzunehmen. Die HVB werde mit UniCredito zusammengehen, sagte Bank-Chef Dieter Rampl. "Das ist ein bedeutender Tag für HVB und UniCredito." Es entstehe die erste wahre europäische Bank. Einzelheiten nannte Rampl nicht, er verwies auf eine Pressekonferenz am Montag.
Im Rahmen der Fusion sollen 9200 Stellen gestrichen werden. Der Großteil davon sei in Osteuropa betroffen, sagte HypoVereinsbank-Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft ver.di der Nachrichtenagentur dpa. In Deutschland sei ebenfalls eine vierstellige Zahl von Arbeitsplätzen in Gefahr. UniCredito habe aber zugesagt, drei Jahre lang auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.
Bei dem geplanten Zusammenschluss handelt es sich um die bisher größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa. Aus dem Zusammenschluss des zweitgrößten deutschen Finanzinstituts und des italienischen Branchenprimus entsteht die neuntgrößte europäische Bank.
UniCredito bietet den HypoVereinsbank-Aktionären fünf eigene Aktien je HVB-Anteilsschein und gibt gewisse Garantien für das Deutschlandgeschäft in den nächsten Jahren. In der neuen Großbank sollen zudem HVB-Vertreter wichtige Posten übernehmen. So soll die HypoVereinsbank fünf von elf UniCredito-Vorstandsmitgliedern stellen. Zudem soll HVB- Chef Dieter Rampl als Präsident den Aufsichtsrat von UniCredito führen.
Der Bank- und Börsenexperte Wolfgang Gerke hat angesichts der Übernahme von einem "schlechten Tag für den Finanzplatz Deutschland" gesprochen. Gerke, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, sagte dem Sender n-tv, zwei urbayerische Banken, die zur HVB zusammengefunden hatten, müssten nun sagen: "Wir alleine sind nicht stark genug, um im deutschen Markt weiter zu bestehen." Die wichtigsten Entscheidungen würden in Zukunft in Italien getroffen. "Wenn man sich einmal anschaut, wie stark die deutschen Banken international einmal gewesen sind, ist das schon sehr traurig."
Nach Einschätzung Gerkes sind etwaige Arbeitsplatzgarantien nicht allzu hoch zu bewerten: "Darauf kann man gar nichts geben. Die Italiener sind scharfe Rechner." UniCredito-Chef Alessandro Profumo habe bewiesen, dass er "ein hervorragender Manager" sei.
Der deutsche Bankenverband bewertete die Übernahme dagegen positiv. "Im gemeinsamen europäischen Finanzmarkt ist es nur konsequent, wenn es auch eine Zusammenarbeit oder Übernahmen von Banken über die nationalen Grenzen hinweg gibt", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, der "Berliner Zeitung".