Bankenfusion Widerstand im Aufsichtsrat
Frankfurt am Main - Aufsichtsratschef Hilmar Kopper und AR-Mitglied Ulrich Cartellieri seien gegen den Zusammenschluss, berichtet das "Handelsblatt". Andere Kontrolleure seien von der Ankündigung überrascht worden. Die Deutsche Bank kommentierte diesen Bericht nicht.
Hauptthema der Sitzung wird der drohende Arbeitsplatzabbau sein. Gerhard Renner, Bundesvorstand der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) und Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank, sagte, bei Fusionen würden erfahrungsgemäß 30 Prozent der Stellen abgebaut. In dieser Zahl seien keine Stellenkürzungen eingerechnet, die durch die Einführung neuer Techniken entstünden, sagte Renner weiter. "Rechnet man das hinzu, kann die Zahl noch über 30 Prozent liegen", warnte er.
Die HBV-Chefin Margret Mönig-Raane forderte die Vorstände beider Geldinstitute auf, bei dem geplanten Zusammenschluss die Interessen der Arbeitnehmer nicht zu vernachlässigen. "Ich kann überhaupt nicht einsehen, wenn etwa Filialen geschlossen werden sollen. Zunächst muss an die Belange der Belegschaft gedacht werden", sagte sie. In deutschen Banken werde länger gearbeitet als bei der Konkurrenz in europäischen Nachbarländern. Arbeitszeitverkürzung und mehr Teilzeitarbeit seien daher eine Möglichkeit, einen gravierenden Arbeitsplatzabbau im deutschen Kreditgewerbe zu verhindern.
Nach Angaben aus Finanzkreisen sollen in den nächsten Jahren knapp 18 Prozent oder 16.000 der inländischen Arbeitsplätze in dem fusionierten Unternehmen abgebaut werden. Außerdem würde rund ein Drittel der insgesamt rund 3000 inländischen Filialen beider Institute geschlossen, hieß es. Michael Klein, Research-Chef von Sal. Oppenheim, erklärte, ohne einen Personalabbau von rund 20 Prozent rechne sich eine Totalfusion nicht.
Durch einen Zusammenschluss der Institute wird nach Einschätzung des Bremer Ökonomen Rudolf Hickel ein großes marktbeherrschendes Unternehmen in Deutschland entstehen, das enormen Einfluss haben werde. Er hält einen "Verlust von 40.000 Stellen für sehr realistisch".
Für den Kunden habe das Nachteile: Das Konzept der Deutschen Bank sei darauf angelegt, sich vom Massenkunden und damit von einem breiten Zweigstellennetz zu verabschieden, sagte er den "Lübecker Nachrichten". Im Zentrum des neuen Finanzriesen würden die so genannten Allfinanz-Dienstleistungen stehen: Kreditvergabe und Vermögensmanagement.