Bankenrettung: Brown droht Island mit Klage - DER SPIEGEL
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Bankenrettung Brown droht Island mit Klage

Mit drastischen Eingriffen kämpft die britische Regierung gegen den Kollaps des Finanzsektors. Jetzt hat Premierminister Brown angekündigt, Island zu verklagen, sollten britische Sparer nicht mehr an ihr Geld bei isländischen Banken kommen.
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London - Sollten britische Sparer nicht mehr an ihr Geld kommen, das sie bei britischen Filialen von isländischen Banken angelegt haben, will Premierminister Gordon Brown rechtliche Schritte gegen Island einleiten. Das drohte er am Mittwoch an, nachdem er seinen Rettungsplan für britische Banken erläutert hatte. Ziel sei es, das Geld zurückzuholen, das britische Sparer bei isländischen Banken angelegt hatten, die in Schieflage geraten sind. Die Regierung werde für diese Einlagen einstehen: "Wir zeigen, dass wir hinter den Menschen stehen, die Geld gespart haben", erklärte er.

Island hat am Dienstag zwei seiner großen Banken verstaatlicht, darunter die zweitgrößte Bank des Landes Landsbanki. Berichten zufolge haben Briten mehrere Millionen Pfund auf Konten der Online-Bank Icesave angelegt, die zu Landsbanki gehört. Bei Icesave sind derzeit keine Abhebungen mehr möglich. Als Reaktion darauf haben die Niederlande bereits einen Teil der Guthaben bei Icesave beschlagnahmt.

Die britische Regierung greift dem eigenen Bankensystem ebenfalls mit Verstaatlichung unter die Arme: Das Finanzministerium kündigte am Mittwoch die Teilverstaatlichung von acht der größten britischen Banken an, um die Stabilität auf dem Finanzmarkt wiederherzustellen. Betroffen sind Abbey, Barclays, HBOS, HSBC, Lloyds TSB, Nationwide Building Society, Royal Bank of Scotland und Standard Chartered. Der sogenannte Rekapitalisierungsplan bietet bis zu 50 Milliarden Pfund (64,5 Milliarden Euro) in Form von Vorzugsaktien.

Investoren befürchten seit Tagen, dass die Banken die aktuelle Finanzkrise ohne staatliche Hilfe nicht überstehen könnten. Am Dienstag waren mehrere Bankaktien in London ins Bodenlose gestürzt. Die Royal Bank of Scotland hatte 39 und HBOS mehr als 41 Prozent verloren. Im frühen Mittwochshandel reagierten die Anleger erleichtert auf die Ankündigung, später gaben aber auch in London die Kurse zeitweise mehr als sechs Prozent nach.

Brown sprach von "radikalen Eingriffen" ins Bankensystem. Finanzminister Alistair Darling sagte, die Regierung reagiere auf außergewöhnliche Umstände. Der Prozess werde aber Zeit brauchen: "Es ist keine sofortige Änderung, sondern eine Restrukturierung", sagte Darling im Fernsehsender Sky News. Das System werde damit stabilisiert, und dies sei sehr wichtig. Die Bank von England werde außerdem weitere kurzfristige Kredite anbieten. Mindestens 200 Milliarden Pfund sollten für bis zu drei Monate bereitgestellt werden.

Darling betonte aber, es gehe "absolut nicht" darum, die Kontrolle über die Banken zu übernehmen. "Wir reden nicht darüber, die Banken in Zukunft selbst zu betreiben", erklärte er.

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde begrüßte den Rekapitalisierungsplan Londons. Dieser werde der Stabilität der britischen Finanzinstitutionen dienen, erklärte die Ministerin. Sie betonte, die Maßnahmen stünden in Einklang mit der Doktrin des Pariser Krisengipfels vom Samstag. Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Italien waren dabei übereingekommen, ein Scheitern von Banken mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abzuwenden.

kaz/AP/Reuters