Bankgesellschaft Berlin Rettung aus Hannover?
Hannover - Ziel des Angebots ist laut Nord/LB-Chef Manfred Bodin der Ausbau der bestehenden Kooperation bis hin zum Zusammenschluss der beiden Institute. "Wir sehen darin die Interessen der Nord/LB ebenso wie des Landes Berlin gewahrt", sagte Niedersachsens Finanzminister Heinrich Aller, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Finanzinstituts ist.
Die unternehmerische Führung müsse dabei künftig nach seinen Worten bei der Nord/LB liegen. Als weitere Partner kämen der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), mit dem das Angebot abgestimmt sei, oder andere Mitglieder der Sparkassenorganisation in Betracht.
"Es ist uns natürlich klar, dass wir keinen Exklusivanspruch haben", sagte Aller. Neben der Nord/LB hatten bereits die Commerzbank wie auch die Kölner Versicherungsgruppe Parion ihr Interesse an einer Übernahme signalisiert.
Die Nord/LB hält bereits 20 Prozent
Die Nord/LB ist mit 20 Prozent bislang zweitgrößter Eigner der Bankgesellschaft nach dem Land Berlin, das 56,6 Prozent hält. Die Bankgesellschaft benötigt gut zwei Milliarden Euro.
Vor einigen Tagen hatte Berlins Finanzsenatorin Christiane Krajewski bereits grundsätzlich ihre Zustimmung zu einer solchen Lösung signalisiert. Sie schloss einen Komplettverkauf der bislang vom Land gehaltenen Anteile an der angeschlagenen Bankgesellschaft nicht aus, machte dies jedoch von einer Sanierung abhängig. Im Gespräch mit der "Berliner Zeitung" erklärte sie: "Wir sind in dieser Frage offen."
Allerdings müssten bei einer Reduzierung oder Aufgabe der Landesbeteiligung an der Bankengruppe die Standort-Interessen gewahrt sein. Der Sitz der Bankgesellschaft müsse in Berlin bleiben: "Wir wollen möglichst viele wettbewerbsfähige Arbeitsplätze an diesem Standort."
Weitere Ermittlungen in Berlin
Fortschritte gibt es auch bei der Suche nach den Verantwortlichen der milliardenschweren Schieflage. Am Montagmittag war bekannt geworden, dass die Berliner Staatsanwaltschaft neuen Verdachtsmomenten nachgeht. In den vergangenen vier Wochen seien zwölf neue Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Tageszeitung "Die Welt" vom Dienstag. Details wurden zunächst nicht bekannt.
Nach den neuesten Zahlen der Ermittlungsbehörde sei die Zahl der eingeleiteten Verfahren damit seit dem 17. Juli dieses Jahres von 69 auf 82 gestiegen, berichtete das Blatt. Seit Beginn der Ermittlungen in der Bankenkrise wurden insgesamt 51 Verfahren wieder eingestellt.
Verlust von 1,65 Milliarden Euro
Die Bankgesellschaft Berlin war vor allem durch schlecht abgesicherte Immobiliengeschäfte und unübliche Mietgarantien im Frühjahr dieses Jahres an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geraten. Inwieweit auch Untreue oder Betrug eine Rolle gespielt haben, kläre die Staatsanwaltschaft, berichtete die Zeitung. Infolge der massiven Wertberichtigungen musste die Bankgesellschaft für 2000 einen Verlust von 1,65 Milliarden Euro (rund 3,23 Milliarden Mark) ausweisen.