Bau-Arbeitskampf: "Streik jeden Tag vergrößern" - DER SPIEGEL
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Bau-Arbeitskampf "Streik jeden Tag vergrößern"

Bei ihrem ersten bundesweiten Streik seit Kriegsende legt die Bauarbeiter-Gewerkschaft vor allem Großbaustellen in Städten wie Berlin, Hamburg oder Dortmund lahm. IG-BAU-Chef Wiesehügel droht mit weiterer Eskalation.
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Berlin - Mit Beginn der Frühschicht traten am Montag bundesweit viele tausend Bauarbeiter in den Ausstand. Gestreikt wurde nach Angaben der IG BAU vor allem in Berlin, Norddeutschland und im Ruhrgebiet. Allein in der Hauptstadt legten rund tausend Beschäftigte die Arbeit nieder. Dass die Gewerkschafter sich viele Großbaustellen in Berlin-Mitte ausgesucht haben, dürfte ihnen ein Maximum an Aufmerksamkeit garantieren. Betroffen waren unter anderem der Palast der Republik und ein Hotel-Neubau direkt gegenüber.

So fand die zentrale Kundgebung auch direkt am Brandenburger Tor statt. Der IG-BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel drohte dort, man werde den "Streik jeden Tag vergrößern", wenn die Arbeitgeber kein besseres Angebot vorlegten. Ein erstes Gesprächsangebot der Arbeitgeber nannte Wiesehügel "Wichtigtuerei ohne Substanz".

"Druck verspüren"

Der Streikführer der Gewerkschaft in Berlin-Brandenburg, Rainer Knerler, sagte in der ARD: "Wir werden uns natürlich auf die größeren Baustellen konzentrieren, da wo einige zig oder hundert Arbeitnehmer beschäftigt sind und nicht gerade jeden Hausanschluss, der gemacht wird mit zwei Leuten, bestreiken." Es müssten "schon die Baustellen sein, bei denen die Arbeitgeber auch Druck verspüren".

Die Arbeitgeber haben im Vorfeld mit Aussperrungen gedroht. Möglicherweise wird es aber noch in dieser Woche neue Sondierungsgespräche geben. Der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrie-Hauptverbandes, Michael Knipper, jedenfalls zeigte sich gesprächsbereit. "Ich bin dafür, dass wir uns noch diese Woche wieder gemeinsam an den Verhandlungstisch setzen", so Knipper in Berlin. Zugleich kündigte der Arbeitgeber-Vertreter ein neues Angebot an. "Bei den Mindestlöhnen werden wir das Angebot sicherlich noch nachbessern", sagte Knipper. Bei den Einkommen seien dagegen "mehr als drei Prozent nicht drin".

Streit um Ost-Mindestlöhne

In dem Tarifkonflikt, der seit Februar andauert, waren alle Versuche für eine friedliche Einigung gescheitert. Auch der Schlichter, der CDU-Politiker Heiner Geißler, hatte mit seinen Bemühungen keinen Erfolg. In der Urabstimmung plädierte die Gewerkschaftsbasis dann mit mehr als 98 Prozent für einen Arbeitskampf.

Die IG BAU fordert für die 850.000 Beschäftigten Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent. Die Arbeitgeber bieten für dieses und das nächste Jahr eine stufenweise Erhöhung von 3,0 und 2,1 Prozent. Streit gibt es insbesondere über die Anhebung der Mindestlöhne in den neuen Ländern. Die ostdeutschen Arbeitgeber lehnen dies bislang strikt ab.