"Baulöwe" Ernst: Gläubiger fordern Milliardenbetrag - DER SPIEGEL
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"Baulöwe" Ernst Gläubiger fordern Milliardenbetrag

Die Gläubiger des Immobilienmoguls Roland Ernst verlangen rund 1,2 Milliarden Mark. Ernst kann die Höhe der Forderung "momentan nicht nachvollziehen".
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Heidelberg - Auf ihrer ersten Versammlung in Heidelberg trafen sich am Freitag 96 Gläubiger des "Baulöwen" Roland Ernst. Von den Forderungen, die zusammen knapp 1,2 Milliarden Mark betragen, seien allerdings einige doppelt oder dreifach angemeldet worden, sagte Insolvenzverwalter Gerhard Walter. Einer vorläufigen Übersicht zufolge sei deshalb die tatsächliche Schuldenlast mit 581 Millionen Mark wesentlich niedriger. Dem Schuldenberg stehen Aktiva von lediglich 75 Millionen Mark gegenüber. Eine Fortführung des Geschäftsbetriebs sei nicht zu empfehlen, meinte Walter.

Im Laufe seiner mehr als drei Jahrzehnte währenden Karriere hat der 64 Jahre alte Ernst Schätzungen zufolge bis zu 15 Milliarden Mark verbaut. Gegen Ernst läuft vor dem Landgericht Bochum ein Strafverfahren wegen Verdachts der Untreue, des Betrugs und der Bestechung im geschäftlichen Verkehr. Zwei ehemalige Bahn-Manager, die Millionen von Ernst kassierten, wurden bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Prozess gegen Ernst selbst soll im nächsten Jahr neu aufgerollt werden.

Auf der Gläubigerversammlung wurde deutlich, dass die Schulden des einstigen Stars unter Deutschlands Immobilienentwicklern höher sind als bisher angenommen. Anfang Oktober hatte Walter die Verbindlichkeiten auf 450 Millionen Mark beziffert. Die "Belastungen" handelte sich Ernst in den Jahren 1990 bis 1995 vor allem mit zahlreichen Bauprojekten in den neuen Ländern ein. Um seine Objekte verkaufen zu können, gab er Mietgarantien ab, die er häufig nicht erfüllen konnte. Daneben kaufte er auf Kredit einige Grundstücke, die bis heute nicht bebaut sind.

Ernst selbst meinte: "Die Höhe der angemeldeten Forderungen kann ich momentan nicht nachvollziehen". Seine Hauptgläubiger seien die HypoVereinsbank, die Hessische Landesbank und die Landesbank Baden-Württemberg.

Da der Ausgang des Bochumer Strafverfahrens offen ist, wurde die Abstimmung über den von Ernst gewünschten Insolvenzplan vertagt. Im Rahmen eines solchen Plans würde das Insolvenzverfahren aufgehoben. Im Gegenzug flössen Ernsts Einnahmen für fünf Jahre an einen Treuhänder, der seinerseits an die Gläubiger zahlt. Der Insolvenzplan könnte Ernst in gewissem Rahmen eine Wiederaufnahme der Geschäfte ermöglichen.

Die Gläubiger ermächtigten Walter, den Geschäftsbetrieb des Unternehmens Roland Ernst Planung und Finanzierung gewerblicher Grundstücke einzustellen. Die Tätigkeit der Firma mit ihren etwa 60 Angestellten bestehe ohnehin nur noch in der Immobilienverwaltung, sagte Walter. Jahreseinnahmen von 3,7 Millionen Mark stünden Kosten von 5,6 Millionen Mark gegenüber.