Bayer Jetzt folgen die Sammelklagen
Leverkusen/New York - Nach einem Bericht der amerikanischen Tageszeitung "The Oklahoman" wurde in Oklahoma City eine Sammelklage von 50 Betroffenen eingereicht. In New York ist die Anwaltsfirma Slotnick, Shapiro & Crocker verpflichtet worden, eine Klage für eine Gruppe von Klägern zu verfolgen, die das Medikament verschrieben bekamen. Das Mittel wird mit zahlreichen Todesfällen in Verbindung gebracht.
Im Rahmen der potenziellen Sammelklage soll Bayer nach Auskunft der Anwälte unter anderem dazu veranlasst werden, einen Fonds zu gründen, der die Kosten für eine Überwachung der Auswirkungen des Medikaments tragen soll. Die Klage will Slotnick, Shapiro & Crocker in einem New Yorker Gericht einreichen.
An der Frankfurter Börse notierte die Bayer-Aktie am Mittwochnachmittag bei 34,80 Euro. Das waren vier Prozent weniger als zum Vortagsschluss. Die Aktie hat seit dem Vermarktungsstopp von Lipobay in der vergangenen Woche mehr als ein Fünftel an Wert verloren.
In Oklahoma und Florida sind bereits weitere Baycol-Klagen eingereicht worden. Ein Bayer-Sprecher erklärte, es sei anzunehmen, dass weitere Klagen nicht nur angekündigt, sondern auch verfolgt würden. "Wir halten sie nicht für gerechtfertigt und werden uns dagegen wehren", sagte Konzernsprecher Günter Forneck.
"Baycol ist mit rund 50 Todesfällen und schweren Krankheiten in Verbindung gebracht worden", erklärte Slotnick, Shapiro & Crocker. Die New Yorker Kanzlei verwies darauf, dass dies auf Rhabdomyolysis zurückzuführen sei, eine Schwächung der Muskeln, die zu Organversagen führen könne. Die texanische Anwaltsfirma Steinberg Law Firm in Houston untersucht ebenfalls Baycol-Schadenersatzansprüche. Dies geht aus einer Internet-Mitteilung des Unternehmens hervor.
Das schweizerische Pharmaunternehmen Novartis bot am Mittwoch in ganzseitigen Zeitungsanzeigen seinen eigenen Cholesterin-Senker Lescol XL den bisherigen Baycol-Nutzern an. Sie sollen das Medikament nach Vorlage eines ärztlichen Rezepts bei einer Apotheke 60 Tage lang kostenlos erhalten. "Bayer zieht Baycol freiwillig zurück, doch müssen Sie noch immer ihr hohes Cholesterin behandeln", hieß es in der Anzeige.
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hatte eine Mitteilung über Nebenwirkungen des Mittels Lipobay bereits geplant. "Die Firma Bayer ist uns mit der eigenverantworteten Maßnahme, das Medikament vom Markt zu nehmen, zuvorgekommen", sagte Joerg David Tiaden, Geschäftsführer der Kommission. Dennoch werde die Kommission auf die Häufung von Muskelreaktionen auf Lipobay hinweisen, betonte Tiaden.
Mitteilungen über Nebenwirkungen an die Ärzte würden stets sorgfältig recherchiert und geprüft, betonte Tiaden. "Wir verbreiten keine Schnellschüsse." Die Arzneimittelkommission, ein Fachausschuss der Bundesärztekammer, nehme im Jahr im Durchschnitt rund 2000 Berichte über Nebenwirkungen von Arzneimitteln entgegen.