Bayer: Pharma schlägt ins Kontor - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Bayer Pharma schlägt ins Kontor

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt in die Verlustzone gerutscht. In der Pharma-Sparte müssen nach dem Lipobay-Skandal rund 1300 Mitarbeiter um ihre Stellen fürchten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im dritten Quartal des laufenden Jahres sei ein Konzernverlust von 183 Millionen Euro verbucht worden, teilte Der Chenie-Riese am Mittwoch in Leverkusen mit. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte Bayer   noch einen Konzerngewinn von mehr als einer halben Milliarde Euro erzielt. Als Gründe für den Verlust wurden der Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay sowie die Konjunkturschwäche genannt.

Die Probleme in der Pharmasparte haben größere Auswirkungen als bislang bekannt. Der Lipobay-Vermarktungsstopp und die Probleme in der Produktion des Blutermedikaments Kogenate werden das Ergebnis in diesem Jahr voraussichtlich mit 1,4 Milliarden Euro belasten. Bisher hatte der Konzern einen Negativeffekt von rund 1,15 Milliarden Euro errechnet. Wegen den Pharma-Umsatzausfällen werden weltweit 1300 Stellen abgebaut, bekräftigte Bayer. Das Zusatzgeschäft mit dem Anti-Milzbrand-Medikament Ciprobay könne die Ausfälle nicht kompensieren.

Absatz- und Gewinnprobleme hat Bayer ebenfalls bei Kunststoffen wegen geringerer Nachfrage der Auto-, Bau- und Elektronikindustrie. Für das vierte Quartal erwartet der Leverkusener Konzern weltweit keine Konjunktur-Trendwende. Das Kunststoff- und Chemiegeschäft blieben voraussichtlich unter Druck. Der Konzernumbau soll vorangetrieben werden. Bayer will den Gesundheitsbereich einschließlich des angeschlagenen Pharmageschäfts zu einem eigenständigen Unternehmen umwandeln, das bessere Chancen für Firmen-Partnerschaften besitze.

Im Vorfeld der Verkündung der Quartals-Ergebnisse hatten die Experten von Bankgesellschaft Berlin, WestLB Panmure und Sal Oppenheim die Bayer-Aktie auf "Neutral" bzw "Halten" eingestuft. ABN Amro, Commerzbank, Merck Finck, Dresdner Bank und WGZ-Bank rieten zum Verkauf. Die Bayer-Aktie gab im frühen Handel um 0,43 Prozent auf 34,75 Euro nach.