UNTERNEHMER Bayerischer Bluff?
Der Plan des Münchner Mietwagenunternehmers Erich Sixt, zusammen mit einem Finanzinvestor den Konkurrenten Europcar zu übernehmen, könnte nicht nur an einem Veto des Kartellamts scheitern. Branchenkenner glauben, dass der knorrige Bayer auch aus anderen Gründen kaum Chancen haben dürfte, den Zuschlag für die VW-Tochter zu bekommen. Der Autoverleiher hatte die VW-Manager in der Vergangenheit brüskiert, weil er zuweilen günstig eingekaufte Mietfahrzeuge gegen den Willen des Herstellers bei seinem Leasing-Ableger einsetzte. Auch strategisch sei ein Verkauf von Europcar an Sixt wenig sinnvoll, argumentiert der Chef eines Wettbewerbers mit Blick auf das Kartellrecht. Die Münchner müssten nach einem Zusammenschluss vermutlich einen Großteil ihrer Stationen oder einträglichen Flughafenschalter aufgeben, um das Placet der Behörden zu bekommen. Für Mitbewerber wie den US-Preisbrecher Enterprise oder Beteiligungsgesellschaften wie Carlyle oder Cerberus, die vor kurzem Konkurrenten wie Hertz oder Alamo übernommen haben, wäre Europcar dagegen eine ideale Ergänzung. Die Unternehmen könnten durch die Übernahme ihre Marktpositionen in Deutschland und Europa deutlich ausbauen und dürften daher bereit sein, ein sattes Aufgeld zu zahlen. Ein langjähriger Sixt-Wettbewerber vermutet deshalb, dass der Bayer nur mitbietet, um den Preis und damit die künftige Verschuldung von Europcar nach oben zu treiben sowie über das Bietverfahren Einblick in die Europcar-Bilanzen zu bekommen.