Bayers rote Zahlen Potenzpille als Hoffnung
Leverkusen - 88 Millionen Euro im dritten Quartal - so viel Umsatz hat Levitra dem Bayer-Konzern zuletzt eingebracht. Dabei ist die Pille gerade mal Ende August in den USA eingeführt worden. In den vergangenen neun Monaten insgesamt lag der Levitra-Umsatz bei 111 Millionen Euro.
Allerdings: Profite bringt die Erektions-Arznei, die mit Cialis und Viagra konkurriert, dem Leverkusener Konzern noch nicht ein. Dafür war die Markteinführung zu teuer. Bayer-Chef Werner Wenning sagte, mit einem "positiven Ergebnisbeitrag" des Medikaments rechne er nicht vor 2005.
Das Präparat soll einen Spitzenumsatz von mehr als einer Milliarde Euro jährlich erreichen und damit der nächste Blockbuster von Bayer werden. Den Gewinn muss sich Bayer indes mit seinem Vermarktungspartner GlaxoSmithKline teilen. Levitra zeigt auch, warum sich Bayer künftig vor allem aufs Pharma-Geschäft konzentrieren und sich von der Chemie trennen will.
Vierte Säule fällt weg
Die aktuellen Quartalszahlen zeugen von den Problemen des Konzerns. Im dritten Vierteljahr hat der Konzern einen deutlichen Gewinnrückgang im operativen Geschäft verbucht - das Marktumfeld sei weiter schwierig. Der Konzernumsatz verringerte sich um 8,4 Prozent auf 6,834 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) fiel auf 21 Millionen Euro, nach noch von 858 Millionen Euro vor Jahresfrist.
Unter dem Strich stehen rote Zahlen: Netto verbuchte Bayer einen Verlust von 123 Millionen Euro, etwas mehr als von Analysten erwartet. Die Gründe seien vielfältig, sagte ein Sprecher des Konzerns: schlechte Konjunktur, Abschreibungen im Bereich Pflanzenschutz und Kosten für den Konzernumbau.
Nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats hatte Bayer am Freitag bekannt gegeben, dass der Konzern radikal umgebaut werden soll: Der Großteil der Chemiesparte und Teile des Polymergeschäfts werden ausgegliedert und bis Anfang 2005 an die Börse gebracht. Danach wird Bayer nur noch auf den drei operativen Säulen Pharma, Agro-Chemie und hochwertige Materialien stehen.
Bei Letzterer handelt es sich um das verbliebene Polymergeschäft sowie um die Chemietöchter H. C. Starck und Wolff Walsrode. Das Pharmageschäft will Bayer reduziert im Alleingang weiterführen, die Suche nach einem Partner ist beendet - weil Bayer keinen fand.