Beate Uhse: Dia-Show statt Aktiencharts - DER SPIEGEL
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Beate Uhse Dia-Show statt Aktiencharts

Bei der ersten Hauptversammlung nach dem Börsengang der Beate Uhse AG ging es um nackte Tatsachen, der dahindümpelnde Kurs der Aktie war aber nur ein Randthema. In der Abstimmungspause präsentierte die Abteilung "Forschung und Entwicklung" ihre neuesten Ideen.
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Flensburg - Deutschlands Erotik-Pionierin Beate Rotermund war hocherfreut: "Ich bin etwas aufgeregt, aber das ist ja auch ein großer Tag für mich", sagte die 80-Jährige am Freitag vor der ersten Aktionärsversammlung ihrer Beate Uhse AG in Flensburg. Rund 1100 Aktionäre waren an die dänische Grenze gereist, um nackte Tatsachen zu erleben. Und die gab es bereits im Foyer des Veranstaltungszentrums Deutsches Haus zuhauf. Rund ein dxutzend langbeinige Models in durchsichtigen Kleidern empfingen die Anleger für ein gemeinsames Erinnerungsfoto. Und damit die Aktionäre auch wussten, worum es ging, gab es für jeden Gast zum Geschäftsbericht gleich den 99-seitigen Erotik-Katalog des Hauses.

Bereits vor Versammlungsbeginn war der abgedunkelte Vortragssaal gut gefüllt, doch statt Finanzcharts erfreuten sich die Anleger zunächst an einer Erotik-Diashow. "Wir haben Lampenfieber", sagte Beate Rotermund zur Begrüßung der Gäste. Dabei gab es dafür eigentlich keinen Grund. Immerhin erwartet das Unternehmen für 2000 eine Umsatzsteigerung von über 50 Prozent auf rund 350 Millionen Mark und einen deutlichen Gewinnanstieg.

Kein Anleger der ersten Erotik-Aktie Europas konnte auf der Versammlung der Lust entkommen. Selbst die Stimmkarten für die Aktionäre schmückten leicht bekleidete Schönheiten. Und während der Abstimmungspause wurden den Anlegern die neuesten Dessous aus der "Forschungs- und Entwicklungsabteilung" präsentiert. Auf kritische Fragen an den Vorstand verzichtete die bunt gemischte Anlegerschar jeden Alters, zu der selbst Eltern mit ihren Kindern zählten, weitgehend. Schließlich war die Stimmung entspannt und auch der seit Monaten dahindümpelnde Kurs der Aktie störte offenbar niemanden.

"Ich habe in ein gut geführtes Unternehmen investiert", sagte eine 50-jährige Ludwigshafenerin, "und besonders Frau Rotermund finde ich beeindruckend". Jeder befragte Anleger zollte der agilen Aufsichtsratsvorsitzenden, die als Pilotin 1945 in Nordfriesland landete und mit Aufklärungsschriften den Grundstein für ihr Erotik-Imperium legte, seine uneingeschränkte Sympathie. "Das ist eine echte Power-Frau, die garantiert Erfolg", sagte ein Kieler Rentner. Und ein junger Anleger brach auf der Bühne beinahe in Tränen aus, als er sich bei dem Unternehmen für den Börsengang bedankte.

Zum Abschluss der lustvollen Versammlung hatten die Aktionäre bei der Auswahl ihres Geschenkes die Qual der Wahl. Sollte es nun eine Mini-Truck mit Bikinimodell, ein roter oder ein schwarzer Slip in Form einer Rose sein? Ein älterer Herr brauchte nicht lange überlegen: "Ich nehme die Rose, da freut sich meine Frau".

Manfred Rolfsmeier, AP