Beate Uhse Mitarbeiter revoltieren
Flensburg - Trotz kräftiger Gewinnsteigerungen geht in der Beate-Uhse-Zentrale in Flensburg die Angst um. Auf einer Betriebsversammlung informierten Betriebsrat und die Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV) am Donnerstag die Belegschaft darüber, dass die Verhandlungen über einen Sozialplan bei Europas größtem Erotik-Unternehmen ergebnislos abgebrochen wurden.
Beate Uhse plant seit längerem die Auslagerung des Versandhandels nach Walsoorden in den Niederlanden, um Kostenvorteile zu erreichen. Von einer möglichen Verlagerung seien 50 der 203 Arbeitsplätze in der jetzigen Zentrale betroffen, hatte das Unternehmen vor einem Monat mitgeteilt. Dagegen befürchtet die Gewerkschaft, dass in Flensburg 20 oder 30 Leute zurückbleiben werden. Sie schließt Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus.
Die umstrittene Auslagerung ist Teil einer Umstrukturierung, bei der das Unternehmen langfristig in zwei Säulen geteilt werden soll: das klassische Versand- und Einzelhandelsgeschäft unter dem Namen Trading und den Bereich Entertainment, der Aktivitäten unter anderem im Internet und Fernsehen umfasst. Ehrgeiziges Ziel ist es, Beate Uhse zum größten deutschen Anbieter von Erotik-Inhalten im deutschen Internet auszubauen.
Betriebsrat und Gewerkschaft wollen allerdings bei den Plänen bislang noch nicht mitspielen. Seit Monaten versuchen die Arbeitnehmervertreter, eine Auslagerung von Unternehmensteilen zu verhindern oder sozial abzufedern. Wie die HBV mitteilte, wurden nun neben den Verhandlungen über die geplante Verlegung auch die Gespräche über einen Haustarifvertrag ohne Ergebnis beendet. "Die Tarifkommission der HBV hat die Verhandlungen um den Interessenausgleich offiziell für gescheitert erklärt und gibt grünes Licht für Arbeitskampfmaßnahmen", teilte Dieter Altmann von der HBV mit.
Dagegen hält Vorstandssprecher Otto Christian Lindemann einen Streik für unwahrscheinlich. Nach seinen Angaben sind die Verhandlungen daran gescheitert, dass die Gewerkschaft einen Haustarifvertrag verlangt habe, der acht Prozent höhere Gehälter vorsehe. Er habe aber nur fünf Prozent gewähren wollen. Bei der sozialen Abfederung der Verlagerungen sei man sich sogar weitgehend einig gewesen.