Beerdigter Bedienzuschlag: Mehdorn wird zum Prügelknaben - DER SPIEGEL
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Beerdigter Bedienzuschlag Mehdorn wird zum Prügelknaben

Hartmut Mehdorn unter Druck: Nach der Pleite mit dem Schalterzuschlag für Tickets fordern Politiker und Fahrgastverbände seinen Rücktritt. Dabei hat informierten Kreisen zufolge Fernverkehrschef Nikolaus Breuel den Zuschlag "aufs Tableau gebracht" - und bis zuletzt darauf beharrt.
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Frankfurt - Hartmut Mehdorn hat sicherlich keinen leichten Samstag. "Merkel stoppt Gierdorn", höhnt die B.Z. über den Bahn-Chef. "Neue Schlappe für Mehdorn", schreibt die "Frankfurter Rundschau", "Die Fahrgäste siegen über den Bahn-Chef", heißt es in der "Berliner Morgenpost". Politiker und Fahrgastverbände fordern seinen Rücktritt.

Mehdorn kann auf solch hämische Presse durchaus heißblütig reagieren - und dürfte demnach mächtig sauer sein. Vor allem auf seinen Fernverkehrschef Nikolaus Breuel. "Breuel hat den Zuschlag aufs Tableau gebracht", sagt ein Insider. Und: Der Fernverkehrsmanager habe die Sache noch durchziehen wollen, als die öffentliche Wut schon ohrenbetäubend laut war - selbst in der eilig einberufenen Krisensitzung am Freitagvormittag wollte Breuel auf den Zuschlag beharren. "Mehdorn hat dann ein Machtwort gesprochen."

Breuel, der seit 1993 im Konzern und seit 2004 Fernverkehrschef ist, weist das zurück: Die Entscheidung für die Gebühr sei ebenso vom gesamten Vorstand getroffen worden wie der Beschluss, die Idee fallen zu lassen, lässt er über einen Bahn-Sprecher ausrichten.

Nach dem Verzicht der Deutschen Bahn auf die Extragebühr am Fahrkartenschalter hatten Verkehrsexperten der Parteien den Rücktritt Mehdorns gefordert. "Mehdorn ist der falsche Vorstandschef", zitierte der Kölner "Express" am Freitag den Grünen-Verkehrspolitiker Winfried Hermann. "Der Imageschaden ist gigantisch. Das Gefühl, abgezockt zu werden, wird viele abschrecken, Bahn zu fahren."

SPD-Politiker Hermann Scheer sagte, Mehdorn agiere, als sei er der Eigentümer der Bahn und nicht der Vorstand eines Unternehmens. Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Dirk Fischer (CDU), betonte, er sei von der Verlängerung von Mehdorns Vertrag bis 2011 "ohnehin alles andere als begeistert" gewesen. Der Fahrgastverband Pro Bahn sagte, Mehdorn habe "überhaupt kein Gespür mehr für die Bedürfnisse der Fahrgäste". Er denke "nur an potentielle Aktionäre".

Nach massivem Druck aus dem Kanzleramt und von Kunden hatte die Bahn am Freitag erklärt, auf die Schaltergebühr beim Fahrkartenkauf zu verzichten. Ursprünglich sollten Kunden ab dem 14. Dezember 2,50 Euro für jedes Fernticket zahlen, das sie am Schalter lösen. Die Bahn wollte mit der Gebühr unter dem Strich Zusatzeinnahmen von 60 Millionen Euro erwirtschaften - die bleiben nun aus.

mit Material von AFP