Befreiungsschlag Infineon will Speichersparte abstoßen
München - Konzernchef Wolfgang Ziebart verspreche sich von der Aufspaltung des Unternehmens bessere Entwicklungschancen für das verbleibende Geschäft mit den sogenannten Logik-Chips, berichtet das "Handelsblatt" mit Bezug auf Unternehmenskreise. Auch auf neuen Schwung am Aktienmarkt hoffe das Unternehmen. Der Infineon-Chef plane bereits seit seinem Amtsantritt im September des letzten Jahres, sich von dem defizitären Kerngeschäft zu trennen. Eine interne Prüfung habe jetzt ergeben, dass die Synergien zwischen beiden Sparten gering seien.
Die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft müsse den Schritt im Februar noch bestätigen, so die Zeitung. Im Frühjahr oder Sommer 2006 könnte die Speicherchipsparte dann an die Börse kommen. Ein Unternehmenssprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Gerüchte um die Abspaltung der defizitären Sparte hatten schon im August den Aktienkurs des Konzerns nach oben getrieben.
Infineon-Aufsichtsratmitglied Dieter Scheitor von der IG Metall hat sich jedoch gegen eine mögliche Trennung des Konzerns von der Speichersparte ausgesprochen. Der vor kurzem erteilte Großauftrag von Microsoft für die Spielkonsole Xbox zeige wie wichtig es sei, am Markt als Komplettanbieter aufzutreten, sagte Scheitor im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Ihm sei nicht bekannt, ob der Vorstand bereits über eine Trennung entschieden habe. Die Tagesordnung für die Mitte November geplante Aufsichtsratsitzung liege noch nicht vor.
Gute Nachrichten dringend nötig
Das Geschäft mit den Speicherchips, mit denen der Konzern 40 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet, ist geprägt von starken Schwankungen und wilden Preisschlachten. Immer wieder überziehen sich die Konkurrenten auf dem Markt mit Kartell- und Patentklagen. Die Abspaltung der chronisch defizitären Sparte würde den Dax-Konzern von einer großen Last befreien.
Gute Nachrichten hat das krisengeschüttelte Unternehmen bitter nötig. Nicht nur der Schmiergeldskandal, der Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz zum Rücktritt zwang, belastet den Konzern. Auch wirtschaftlich braucht Infineon dringend eine Erfolgsmeldung. Seit dem Börsengang der ehemaligen Siemens-Tochter im Frühjahr 2000 schrieb das Unternehmen dauernd rote Zahlen. Allein im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hatte sich das Minus vor Steuern und Zinsen im Vergleich zum Vorquartal auf 234 Millionen Euro verdoppelt. Damit war Infineon das einzige Dax-Unternehmen, das zwischen April und Juni seinen Verlust vergrößerte.