Begehrtes Objekt - DER SPIEGEL
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Mobilfunk Begehrtes Objekt

Das Geschäft mit Mobiltelefonen übertrifft alle Prognosen. Hohe Rechnungen verprellen aber viele Kunden wieder.
• aus DER SPIEGEL 3/1994
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Feiern in großem Stil sind nicht geplant. »Das ist doch nur ein Zwischenergebnis in einem Marathonrennen«, wehrte Mannesmann-Managerin Barbara Kögler die Vorschläge allzu begeisterter Kollegen ab.

»Allenfalls ganz dezent« mit einem »kleinen Blumenstrauß« wird Mannesmann Mobilfunk in dieser Woche den 500 000. Teilnehmer bei D2 begrüßen - ein halbes Jahr vor dem erwarteten Termin.

Die Zurückhaltung der Düsseldorfer Privatfunker ist verständlich. Nach einer dramatischen Aufholjagd im vergangenen Jahr haben die Beamten des Postablegers Telekom mit den gefürchteten privaten Konkurrenten gleichgezogen und in dieser Woche ebenfalls die erste halbe Million Teilnehmer in ihrem Mobilfunknetz D1 beisammen.

Noch vor einem Jahr sah es so aus, als könne der Neuling aus Düsseldorf die behäbige Beamtentruppe mit Leichtigkeit abhängen. Mannesmann machte die pfiffigere Werbung, hatte die attraktiveren Geräte im Angebot und beherrschte die technischen Probleme in den neuen digitalen Netzen mit bewundernswerter Souveränität.

Mit einem Marktanteil von 37 Prozent lag die Telekom Ende 1992 weit abgeschlagen hinter dem quirligen Herausforderer. Die für 1993 anvisierte Zahl von 350 000 Teilnehmern im D-1-Netz schien in unerreichbarer Ferne.

Doch dann bekamen die Postler ihre technischen Probleme in den Griff und konnten ihr Angebot an Funktelefonen um ein attraktives Taschentelefon, im Branchenjargon Handy genannt, der US-Firma Motorola erweitern.

Als kluger Schachzug erwies sich auch der Verzicht auf eigene Vertriebsbüros. Anders als die Mannesmänner, die ihre Telefone und D-2-Karten zu einem großen Teil über eigene Niederlassungen verkaufen, überläßt die Telekom das Geschäft mit Telefonkarten und Geräten weitgehend dem Fachhandel und 13 sogenannten Service Providern.

Diese Privatfirmen, die ihre Telefonkarten für die beiden Mobilfunknetze oft mit speziellen Sondertarifen und weiteren Zusatzleistungen wie etwa Weckdienst, Pannenhilfe oder Parkplatzreservierung verkaufen, setzten sich vehement für die Staatsfirma ein und empfahlen ihren Kunden die D-1-Karte. So schrumpfte der Vorsprung von Mannesmann immer mehr.

Der unerwartet scharfe Preisverfall bei den Endgeräten löste schließlich einen Boom aus, der alle Prognosen der Marktforscher über den Haufen warf. Ende 1992 kosteten Mobiltelefone in der Regel noch deutlich mehr als 2000 Mark. Als Sonderangebot sind ältere Geräte jetzt oft für weniger als 400 Mark zu haben.

Die Folge: In den Wochen vor Weihnachten waren Funktelefone gefragt wie nie zuvor. Die Zahl der neuen Kunden, zu Beginn des Jahres im Schnitt 50 000 pro Monat, sprang im Dezember auf 120 000.

Nicht wenige der Neukunden legen das begehrte Prestigeobjekt aber erschreckt wieder beiseite, wenn die ersten Rechnungen kommen. Allein die monatliche Grundgebühr schlägt mit rund 80 Mark zu Buche. Branchenkenner rechnen deshalb in den nächsten Wochen mit einer Stornowelle als Folge des vorweihnachtlichen Booms.

Die Telefonfirmen mußten ihre Einnahme-Prognosen schon deutlich nach unten revidieren. Ausgehend von den Erfahrungen mit dem von Firmen und Freiberuflern benutzten C-Netz hatten sie erwartet, bei jedem Kunden im Schnitt monatlich 240 Mark zu kassieren. Zur Zeit jedoch liegt die Durchschnittsrechnung erst bei 180 Mark.

Die Einnahmen sind auch deshalb so gering, weil bisher nicht einmal alle fälligen Gebühren erhoben wurden. So verzichtete die Telekom darauf, Funkgespräche zu berechnen, die vom Ausland aus geführt wurden. Um die Kunden nicht mit hohen Rechnungen zu verprellen, entschloß sich der Staatsbetrieb vergangene Woche zu einer ungewöhnlichen Kulanzregelung. Nachgefordert werden nur die Gebühren aus der zweiten Jahreshälfte 1993, alle davor geführten Auslandsgespräche sind gratis.

Noch großzügiger verfährt die Stuttgarter Service-Firma Debitel. Wegen eines Computerfehlers hatte die Daimler-Tochter bislang keine Gebühren für den von ihr angebotenen Dienst der Rufumleitung erhoben. Nachdem die Panne entdeckt worden war, verschickte Debitel jetzt Nachforderungen, die bei einigen der 100 000 Kunden bis zu 2900 Mark für 1993 ausmachten.

Aufgeschreckt durch geharnischte Proteste erboster Kunden, machte die Nummer eins unter den Service Providern aber schnell einen Rückzieher. »Den Fehler nehmen wir auf unsere Kappe«, erklärte Debitel-Sprecher Guido Hloch. Nun müssen die Debitel-Kunden nur die Rufumleitungen für den Monat Dezember nachbezahlen. Y

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__68b Mobilfunknetze D1 u. D2: Marktanteile u. Teilnehmerbestand

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