Beinahe-Pleite Steinbrück will HRE-Spitze loswerden
Berlin - Die Worte von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sind deutlich: Er halte es für "undenkbar", dass das Management der Hypo Real Estate (HRE) weitermacht, sagte der Minister am Montag im Deutschlandfunk. Georg Funke, dem Chef des Münchener Immobilienfinanzieres, droht die baldige Abberufung.
Funke werde in den nächsten Tagen zurücktreten, sagten zwei, mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der HRE-Chef werde noch die Details der Rettungspakets aushandeln. "Die Banken und die Politik brauchen einen handlungsfähigen Vorstand in den nächsten Tagen", sagte eine Person aus dem Umfeld der HRE. Danach werde es voraussichtlich personelle Konsequenzen geben.
Auch Aufsichtsratschef Kurt Viermetz werde gehen müssen, hieß es in Finanzkreisen. Bereits bei den Krisengesprächen am Sonntag im Finanzministerium am Sonntag waren die Rücktritte von Funke und Viermetz gefordert worden. Politik und Bankenbranche seien sich einig, dass beide Manager nach dem neuen Debakel gehen müssten. Der Abgang Funkes ist deshalb in Finanzkreisen nur noch eine Frage der Zeit. "Wenn die Politik seinen Kopf fordert, wird man dem langfristig nachkommen müssen." Die HRE war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Am Wochenende wurde kurzfristig bekannt, dass der Finanzbedarf des Immobilienfinanzierers viel größer war als angenommen. Deshalb platzte ein erstes Rettungspaket. Steinbrück sagte, die Offenlegung des neuen Milliardenlochs habe bei ihm, der Bundeskanzlerin und auch bei den Banken "einigermaßen Entsetzen" ausgelöst. Er monierte, dass nun Verantwortung für Managementfehler auf die Politik abgeschoben und diese geradezu "in den Schraubstock" gezwungen werden solle. "Darüber kriegt man schon einen dicken Hals", schimpfte er.
Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder und der finanzpolitische Sprecher Otto Bernhardt übten scharfe Kritik an Hypo-Vorstandschef Funke. Kauder sagte im ZDF, es werde "höchste Eisenbahn, dass das Management der Hypo Real Estate in die Wüste geschickt wird" - und zwar möglichst ohne "goldenen Handschlag". Bernhardt sagte der "Bild"-Zeitung: "Wer 35 Milliarden Euro sagt, und dann sind es 50 Milliarden Euro - der ist kein kompetenter Gesprächspartner mehr. Es ist an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen."
In der Nacht zum Montag hatten sich die Bundesregierung und die Finanzbranche nach mehrstündigen Verhandlungen auf eine Aufstockung der Kreditlinien für die HRE um 15 auf 50 Milliarden Euro geeinigt. Das neue Geld kommt von Banken und Versicherern.
Das zweite Rettungspaket war nötig geworden, weil bei der HRE vergangene Woche unter anderem wegen Rating-Herabstufungen ein höherer Refinanzierungsbedarf entstanden war. Weitere Bürgschaften des Bundes und der Banken seien nicht nötig, da die Kredite mit Papieren der Hypo Real Estate (HRE) besichert seien, betonte der Sprecher des Finanzministeriums, Thorsten Albig. Für die Steuerzahler bringe die Vereinbarung keine zusätzlichen Lasten.
An dem neuen Rettungspaket sind Finanzkreisen zufolge neben der Deutschen Bank , der Commerzbank , der Postbank und der HypoVereinsbank auch Landesbanken, Genossenschaftsbanken und Versicherer wie die Allianz und die Münchener Rück beteiligt. Der vergangene Woche ausgehandelte Bürgschaftsrahmen der Finanzbranche von 8,5 Milliarden Euro bleibt unverändert.
HRE-Vorstandschef Funke betonte: "Die gefundene Lösung stellt sicher, dass die Hypo Real Estate stabilisiert wird und auch bei andauernder Finanzkrise über ausreichende Liquidität verfügt und weiterarbeiten kann." Anleger ergriffen trotz der Rettung der Flucht. Die Aktien der HRE rutschten am Montag 30 Prozent auf 5,30 Euro ab. Zu Jahresbeginn waren die Titel noch zu rund 36 Euro gehandelt worden.
cvk/Reuters/dpa