Belohnte Geduld - DER SPIEGEL
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Staatssekretäre Belohnte Geduld

Bonns langjähriger Konjunkturexperte Otto Schlecht wird neuer Staatssekretär bei FDP-Wirtschaftsminister Hans Friderichs.
• aus DER SPIEGEL 3/1973
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Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs sollte einen Freidemokraten suchen und fand einen Liberalen ohne Parteibuch.

In dieser Woche will Bonns neuer Chefökonom dem Kabinett vorschlagen, den bisherigen Grundsatzabteilungsleiter im Wirtschaftsministerium, Christian Otto Schlecht. 47, zum Staatssekretär in der Bonn-Duisdorfer Ökonomiekaserne zu berufen.

Wochenlang hatte sich Friderichs nach einem anderen Nachfolger für den in Krupp-Dienste gewechselten Ernst Wolf Mommsen umgesehen. Liberale Strategen hatten dem neuen Renommierwirtschaftler der FDP geraten, sein Ministerium durch das Engagement eines Parteifreundes zu einer schlagkräftigen FDP-Bastion gegen den SPD-Star, Finanzminister Helmut Schmidt, auszubauen. Doch was dem Sozi gelang

er umgab sich mit den Genossen Manfred Schüler und Karl Otto Pöhl (SPIEGEL 2/1973)-, wollte Friderichs nicht schaffen.

Weder der liberale Ministerialdirektor im Bundeskanzleramt Karl-Friedrich Brodeßer noch der FDP-Abteilungsleiter in Hans-Dietrich Genschers Innenressort. Hans-Joachim Ordemann, erschienen dem Werber geeignet, allein mit dem blau-gelben Parteibuch Schlechts fachliche Kompetenz und Erfahrung ausstechen zu können. Schlecht über die Zeit im Wartestand: »Ich habe toten Mann gespielt und mit Ärger gelesen, daß ich da herumgereicht wurde.«

Aus Erfahrung wußte der schwäbische Metzgersohn, der am vorigen Freitag sein 20jähriges Jubiläum im Wirtschaftsministerium feierte, daß Geduld sich auszahlt.

Im Jahre 1967 mußte der einstige Hilfsreferent des CDU-Wirtschaftspatriarchen Ludwig Erhard und spätere Redenschreiber des christdemokratischen Rezessionsmachers Kurt Schmücker vier Monate lang warten, bis ihn Ex-Sozialdemokrat Karl Schiller vom Unterabteilungsleiter zum Grundsatzchef beförderte. Wie Friderichs heute, so hatte Schiller damals vergeblich unter den Genossen nach einer Alternative zum parteilosen Schlecht geforscht.

Freilich hat Friderichs. Bonn-Newcomer und früherer Landwirtschaftsstaatssekretär in CDU-Kohls Mainzer Kabinett. fachlichen Rat auch nötiger als den vertraulichen Plausch unter freidemokratischen Gesinnungsfreunden.

Schon in dieser Woche muß Staatssekretär Schlecht versuchen, die Koalitionspartner zu bewegen, die Kartellgesetznovelle nicht wie verabredet von den Fraktionen. sondern vom zuständigen Wirtschaftsminister einbringen zu lassen -- zum Profilgewinn seines Meisters.

Überdies hat Schlecht bereits in der vorigen Woche am runden Tisch mit den Finanzkollegen Pöhl und Schüler die neuen Verantwortlichkeiten für Konjunktur und Währung abgesteckt. Keinesfalls soll Schmidt, der die wichtige Abteilung Geld und Kredit aus Friderichs Haus herausgebrochen hat, als Allein-Herrscher über Preise und Wachstum regieren. Schlecht: »Diagnose und Therapie werden hier gemacht. und im übrigen steuern wir die Konjunktur gemeinsam: der Wirtschaftsminister, der Finanzminister und die Bundesbank.«

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