BenQ Insolvenzverwalter vertröstet Beschäftigte
München - Vertreter von Siemens, der Landesregierungen von
Bayern und Nordrhein-Westfalen sowie der Bundesagentur für Arbeit und der IG Metall waren zu Gesprächen über die Zukunft des angeschlagenen Handyherstellers in München zusammengekommen. Das Treffen sei eine erste gegenseitige Information gewesen, sagte die Sprecherin des
Insolvenzverwalters Martin Prager der Nachrichtenagentur dpa. Aus dem Umfeld des Runden Tischs war zu hören, dass die Regierungsvertreter keine Zusagen finanzieller Art gemacht haben sollen.
Die 3.000 Beschäftigten von BenQ sollen frühestens in einer Woche über den Umfang des bevorstehenden Personalabbaus informiert werden. Insolvenzverwalter Prager sagte heute bei einer Betriebsversammlung in München, er arbeite mit Hochdruck an einer Restrukturierung, um das Unternehmen zu retten. Zahlen oder Bereiche könne er aber noch nicht nennen. Ein Unternehmenssprecher hatte gestern den Abbau von mehr als 1.000 Stellen als realistisch bezeichnet.
Der Runde Tisch beriet über eine Beschäftigungsgesellschaft. Dabei bekräftigte Siemens sein Hilfsangebot über 35 Millionen Euro. Davon sollten 25 Millionen für die Weiterbildung und Vermittlung und 10 Millionen für Hilfen in Härtefällen verwendet werden. Über Ergebnisse des Gespräches auf Fachebene wurde zunächst nichts bekannt. Allerdings wollen die Arbeitsministerien von Bayern und NRW zu einem Spitzengespräch am 20. Oktober einladen, auf dem über die Lage von BenQ weiter beraten werden soll.
Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte Insolvenzverwalter Prager mit der Aussage, er habe "einen verheerenden Eindruck" vom Zustand der BenQ Mobile. Der BenQ-Konzern in Taiwan hatte 2005 die Siemens-Handysparte übernommen und eine langfristige Sicherung der Stellen versprochen, die deutsche Tochter hatte aber Ende September überraschend zur
Insolvenz angemeldet. Laut Insolvenzrecht darf BenQ Mobile nur noch bis 31. Dezember Verluste zu Lasten der Gläubiger schreiben. Danach darf der Betrieb nur noch fortgeführt werden, wenn er profitabel ist.
Die Kritik von Gewerkschaftern, die Siemens-Stellenangebote für
BenQ-Mitarbeiter als Luftnummer kritisiert hatten, wies Siemens
zurück. BenQ-Beschäftigte könnten sich auf mehr als 2.000 in
Deutschland offene Vollzeitarbeitsstellen bei Siemens bewerben.
Dagegen sagte der Bocholter IG-Metall-Chef Heinz Cholewa der
"Frankfurter Allgemeinen Zeitung", laut Siemens-Intranet seien nur 1.700 Stellen frei - davon über 500 für Praktikanten,
Werksstudenten oder befristete Stellen. Außerdem seien die
Anforderungen für die vollwertigen freien Stellen so hoch, dass sie für die meisten BenQ-Mitarbeiter nicht in Frage kämen.
Gesamtbetriebsratschef Michael Leucker warf Siemens vor,
BenQ-Mitarbeiter schon bisher ausgetrickst zu haben. Beim Verkauf der Handysparte an BenQ habe Siemens zugesagt, BenQ-Mitarbeiter bei Stellenausschreibungen von Siemens drei Jahre lang wie eigene Mitarbeiter zu behandeln. Das sei aber nicht geschehen, sagte er dem "Bayerischen Rundfunk". Siemens bestätigte ein vertraglich festgelegtes Abwerbeverbot. Mit Prager habe der Konzern jetzt vereinbart, dass die BenQ-Personalstelle Bewerbungen an Siemens weiterleite, um das Abwerbeverbot zu umgehen.
kai/AP/dpa