BenQ-Pleite: Kein Investor in Sicht - DER SPIEGEL
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BenQ-Pleite Kein Investor in Sicht

Große Chancen hatten sich die BenQ-Mitarbeiter ohnehin nicht mehr ausgerechnet. Doch inzwischen - wenige Stunden vor dem Jahresende - scheint das Ende besiegelt. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für den Handyhersteller BenQ Mobile ist kaum noch abzuwenden.
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München - "Es ist zwar noch nicht 24 Uhr, aber wir haben noch immer kein Angebot vorliegen", sagte eine Sprecherin des Insolvenzverwalters Martin Prager heute zu Reuters. In Verhandlungskreisen gilt eine Lösung bis Mitternacht als extrem unwahrscheinlich. Im Fall des Scheiterns wird im neuen Jahr offiziell das Insolvenzverfahren gegenüber BenQ Mobile eröffnet. Die Verhandlungen mit mehreren Interessenten über eine Fortführung der einstigen Siemens-Handysparte sind bis zur Stunde ohne Ergebnis geblieben. Die Mehrheit der 3000 BenQ-Beschäftigten wird somit aller Voraussicht nach ab Januar bei der größtenteils von Siemens finanzierten Transfergesellschaft angestellt. Von dort aus sollen sie in neue Stellen vermittelt werden. Der Bestand der Beschäftigungsgesellschaft ist auf ein Jahr beschränkt.

Unterdessen bleibt für einen Teil der BenQ-Beschäftigten in Deutschland eine vage Hoffnung auf eine Weiterführung der Mobiltelefon-Produktion im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort. Nach Angaben des Betriebsratschefs Michael Leucker und der IG Metall vom Freitag will ein deutsch-amerikanischer Investor die Fertigung bereits im Januar aus der Insolvenzmasse übernehmen. Der Interessent, der auf diesem Weg bisherige Verpflichtungen gegenüber den Arbeitnehmern nicht erfüllen muss, strickt nach Angaben der IG Metall an einer Finanzierung. Es bestehen aber Zweifel an der langfristigen Finanzkraft des möglichen Käufers. Ein zweiter Interessent hat sich laut IG Metall zuletzt nicht mehr gemeldet.

BenQ Mobile war Ende September zusammengebrochen, nachdem der taiwanische Elektrokonzern BenQ der verlustträchtigen Handysparte überraschend den Geldhahn zugedreht hatte. Ein Jahr zuvor hatten die Asiaten das Mobiltelefongeschäft von Siemens übernommen und mehr als 400 Millionen Euro an Mitgift erhalten. Eigenen Angaben zufolge steckte BenQ nochmals mehr als 800 Millionen Euro in die Tochter, die stetig Marktanteile verlor. Nach dem Insolvenzantrag war das Geschäft mit Handys der Marke BenQ Siemens nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Die Pleite stürzte auch zahlreiche Zulieferer in die Krise. So musste die westfälische Balda drei Werke verkaufen und sich somit von 1000 seiner 1600 Mitarbeiter in Deutschland trennen. Zusätzlich strich das Unternehmen 250 Stellen. Der Halbleiterkonzern Infineon kündigte als Folge der Pleite des Großkunden an, 400 Arbeitsplätze abzubauen. Zudem werde die Telekommunikationssparte des Münchener Unternehmens zwei Quartale länger rote Zahlen schreiben als geplant.

mik/Reuters