Benzin: Experten erwarten weiteren Preisanstieg - DER SPIEGEL
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Benzin Experten erwarten weiteren Preisanstieg

Ein Plus von 18 Cent innerhalb von zwei Tagen, und noch immer ist kein Ende in Sicht: Ökonomen rechnen damit, dass der Preis für den Liter Normalbenzin schon bald auf mindestens 1,50 Euro steigt – die Angst vor einer weltweiten Energiekrise wächst.
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Frankfurt/Main - Die teilweise Freigabe staatlicher Ölreserven lasse die Preise nicht sinken, sagten Ökonomen laut einem Bericht der "Bild am Sonntag". Vielmehr könnte die 1,50-Euro-Marke schon in den kommenden Wochen durchbrochen werden. Die Deutsche Umwelthilfe fürchtet bis Jahresende einen Anstieg auf 1,80 Euro. Derweil wächst die Angst vor einer weltweiten Energiekrise.

In mehreren Schritten erhöhten die Mineralölkonzerne von Mittwoch bis Freitag die Preise um 18 Cent. Laut "Bild am Sonntag" kostete Superbenzin durchschnittlich 1,44 Euro, Normal 1,36, Diesel 1,18. Der Ölpreis sank indes: Der Schlusspreis für ein Barrel der Sorte Light Sweet Crude, lieferbar im Oktober, lag am Freitag in New York bei 67,57 Dollar, 1,90 Dollar weniger als am Vortag.

Anfang 2005 kostete Sprit in Deutschland rund 30 Prozent weniger. Super lag bei 1,10 Euro, Diesel bei 98 Cent und Normalbenzin bei 1,08 Euro. "Dieses Preisniveau werden wir auf lange Sicht nicht wieder erreichen", zitierte die Zeitung den Chefvolkswirt von Allianz und Dresdner Bank, Michael Heise. "Der Liter Normalbenzin könnte schon bald 1,50 Euro kosten."

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz glaubt nicht, dass die Freigabe der Erdölreserven langfristige Auswirkungen haben wird. "Die teilweise Freigabe der Ölreserven wird keineswegs zu einem Sinken der Benzinpreise führen. Denn Öl ist auf dem Markt ausreichend vorhanden. Es ist durchaus möglich, dass der Preis für einen Liter Normalbenzin in den kommenden Tagen oder Wochen auf über 1,50 Euro steigt."

Auch die Mineralölkonzerne schließen einen weiteren Preisanstieg nicht aus. Die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes, Barbara Meyer-Bukow, sagte: "Die Reserven sind eigentlich für Versorgungskrisen gedacht. Sie sind nicht geeignet, eine Preiskrise zu beeinflussen. Dieser Effekt wird schnell verpuffen. Wenn es dann zu einer echten Versorgungsstörung kommt, würden diese Reserven fehlen. Dann könnte der Preis noch dramatischer steigen."

Unterdessen sagte der Chef der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Claude Mandil, laut einem Bericht der "Welt" über eine mögliche weltweite Energiekrise: "Wenn die Krise die Ölprodukte betrifft, dann ist es eine weltweite Krise. Keiner solle glauben, "dass sich das nur auf die USA beschränken wird. Sie kaufen jetzt schon Benzin in Europa.

Wenn die Raffinerien beschädigt sein sollten, wird sich das noch verstärken. Dann wird sich das sehr schnell zu einer globalen Krise ausweiten." Die IEA hatte am Freitag beschlossen, 30 Tage eine Menge von je rund 2 Millionen Barrel (159 Liter) Öl der strategischen Reserven freizugeben, um die Auswirkungen des Hurrikans "Katrina"" zu bewältigen. Die Regierungen der Industrieländer forderte Mandil auf, mehr Geld in die Forschung und Entwicklung der verschiedenen Bereiche der Energiegewinnung zu investieren. Die Verbraucher rief er zum Energiesparen auf.