Benzinkrise: Ölpreis durchbricht Rekordmarke - DER SPIEGEL
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Benzinkrise Ölpreis durchbricht Rekordmarke

Auf den Energiemärkten wird das Öl teurer und teurer: In New York kostete ein Barrel erstmals seit 1990 mehr als 40 Dollar. Angesichts hoher Benzinpreise in Deutschland fordert ein Oppositionspolitiker nach dem anderen: die Öko-Steuer müsse gesenkt werden, zumindest auf Zeit.
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New York - Solche Preise haben die Märkte seit den Zeiten des Golf-Krieges 1990 nicht mehr gesehen: Die Futures auf Rohöl sind in New York auf über 40 Dollar je Barrel (159 Liter) geklettert. So wurden für die Sorte Light Sweet Crude 40,05 Dollar gezahlt - der höchste Preis seit Oktober 1990. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent legte auf 37,05 Dollar zu. Analysten sagten, der Anschlag auf eine Petrochemiefirma in Saudi-Arabien am vergangenen Wochenende und davor die versuchten Anschläge auf eine Öl Verladestation im Irak belasteten die Stimmung.

Es bestehe Angst vor einem größeren Anschlag. "Die Ereignisse im Nahen Osten werden sehr genau beobachtet", sagte ein Analyst. "Wir könnten an den Punkt kommen, an dem es Lieferausfälle gibt, und das ist sehr beunruhigend." Rund ein Drittel der Ölversorgung kommt aus dem Nahen Osten.

Die Analysten von Morgan Stanley geben die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise noch weiter steigen, inzwischen mit 65 Prozent an. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Barrel-Preis auf wegen der Krisen in Saudi-Arabien und im Irak auf bis zu 80 Dollar hochschnelle, liege bei 20 Prozent.

"Nachfrage hat die Märkte überrascht"

Der Ölexperte Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) rechnet damit, dass Benzin- wie Rohölpreise bis zum Sommer hoch bleiben. "Benzin ist derzeit in den USA knapp, und die Reisesaison hat dort noch nicht einmal begonnen", sagte Matthies der dpa.

Die USA decken sich derzeit - wie im Frühjahr üblich - massiv an den internationalen Märkten ein. Wegen neuer Umweltschutzvorschriften müssen sie zudem in Europa saubereres Benzin einkaufen, weil ihre Raffinerien es derzeit nicht produzieren könnten, sagte Matthies. "Daher wird es vorerst eng bleiben."

Auch die Nachfrage aus asiatischen Ländern, vor allem aus China, treibt die Preise in die Höhe. "Chinas Wirtschaft boomt und ist in Asien die treibende Kraft beim Ölverbrauch. Die anhaltende, höhere Nachfrage hat die internationalen Märkte überrascht", erklärte Matthies.

Der HWWA-Experte verwies darauf, dass die aktuellen Rohölpreise noch kein historisches Hoch markierten. Nach der zweiten Ölkrise Anfang der achtziger Jahre seien in der Spitze deutlich mehr als 40 Dollar erzielt worden. Real betrachtet wären das heute rund 60 Dollar. "Die hohen Preise haben wir damals überlebt - allerdings mit einem deutlich schwächeren Wachstum der Weltwirtschaft."

Angesichts der hohen Benzinpreise in Deutschland werden die Rufe nach einer Senkung der Ökosteuer lauter. ADAC-Chef Peter Meyer forderte die Bundesregierung am Freitag in Wiesbaden zum schnellen Handeln auf: "Die Menschen fürchten um ihre Mobilität." Deshalb sollten zwei der fünf Stufen der Ökosteuer ausgesetzt werden, was den Liter Kraftstoff um sieben Cent pro Liter verbilligen würde. Dies solle bei einem Benzin-Gipfel bei Bundeskanzler Gerhard Schröder erörtert werden.

Stoiber: Zumindest befristet senken

"Die Forderung ist unrealistisch, wenn auch wünschenswert", sagte dazu die Sprecherin des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Renate Meyer-Bukow. Der Staat habe die dringend benötigten Einnahmen für die Rentenkassen fest verplant. Ähnlich äußerte sich der Auto Club Europa (ACE): "Wer die Senkung der Ökosteuer fordert und gleichzeitig verschweigt, dass damit die Arbeitskosten wie die Rentenbeiträge steigen, argumentiert nicht seriös", sagte Sprecher Rainer Hillgärtner. Klaus Matthies, bezeichnete die Forderung als Populismus.

Auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) verlangte eine Reduzierung der Ökosteuer. Die Regierung sollte flexible Instrumente prüfen, um die Ökosteuer zumindest befristet zu senken, sagte Stoiber in München. Die Maßnahme müsse durch Einsparungen bei den Ausgaben gegenfinanziert werden. FDP- Generalsekretärin Cornelia Pieper sagte der "Bild"-Zeitung: "Rot und Grün und die Ölkonzerne langen dem Autofahrer in die Tasche wie noch nie. Das muss ein Ende haben."

Die Ökosteuer wurde 1999 mit sechs Pfennig pro Liter eingeführt und bis 2003 jährlich um weitere sechs Pfennig beziehungsweise 3,04 Cent erhöht. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von etwa einem Pfennig beziehungsweise 0,51 Cent pro Stufe. Nach Berechnung des ADAC beträgt die Gesamtbelastung derzeit rund 18 Cent pro Liter. Matthies sagte dazu: "In Großbritannien, wo die Steuerbelastung auf Benzin noch höher ist, bricht die Welt deswegen auch nicht zusammen."

An den Tankstellen in Deutschland gingen die Benzinpreise am Freitag wieder zurück, nachdem es am Vorabend zu einer Preisrunde in der Spitze mit Aufschlägen von bis zu vier Cent gekommen war.