Benzinpreise Schuld sind die Amerikaner
Hamburg - Die Experten vom unabhängigen Hamburger Erdöl Informationsdienst EID haben in einer Untersuchung auch den Grund für den dramatischen Engpass herausgefunden: Im Land mit dem größten Energieverbrauch der Welt fehlen moderne und leistungsfähige Raffinerien sowie Benzinreserven.
Die momentane Krise kam nicht überraschend: Im Frühjahr wird überall auf der Welt die Produktion in den Raffinerien umgestellt. Während im Winter aus dem Rohöl mehr Heizöl gewonnen wird, geht es in der Urlaubszeit eher in Richtung Benzin. In den USA ist im Moment der Lagerbestand an Benzin um sechs Prozent niedriger als im Vorjahr, wie der EID unter Berufung auf eine US-Behörde berichtet.
"Die USA haben grundsätzlich eine niedrigere Benzin-Lagerhaltung als Europa", sagt EID-Experte Rainer Wiek. Denn US-Ölmanager wollen die Kapitalkosten niedrig halten, um eine hohe Kapitalrendite vorzeigen zu können. Deshalb ist der US-Benzinmarkt viel anfälliger für Störungen oder Engpässe.
Die aber sind eingetreten: Eine große Raffinerie im Bundesstaat Illinois steht still, ebenso eine britische Raffinerie, die zu 40 Prozent für die USA produzierte. Außerdem wurden in den USA laut EID seit 25 Jahre keine neuen Raffinerien mehr in Betrieb genommen. Die alten Werke wurden zwar ständig erweitert, aber nur, um mit dem steigenden Verbrauch Schritt zu halten.
Eine Ende der hohen Preise in den USA und somit auch in Europa scheint nicht in Sicht: Laut Shell ist der Benzinmarkt in Rotterdam so leer, dass es zur Zeit unmöglich ist, einen Tanker für den Export vollzubekommen. Und die Driving Season, die Hauptreisezeit, beginn in den USA erst Ende Mai. "Die Preise werden deshalb zumindest stabil bleiben", orakelt Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann.