Bernanke-Warnung "Finanzmärkte weit von Normalität entfernt"
Washington - Die Finanzkrise ist nach Ansicht von US-Notenbankchef Ben Bernanke noch nicht vorüber: "Derzeit sind die Bedingungen an den Finanzmärkten noch weit von der Normalität entfernt", sagte er am Dienstag. Zahlreiche Anleihemärkte blieben in großer Bedrängnis.
Damit widersprach Bernanke US-Finanzminister Henry Paulson, der sich zuversichtlich gezeigt hatte, dass der schlimmste Teil der Krise inzwischen vorbei sei. Der oberste Währungshüter ging sogar weiter: Falls nötig, werde die Notenbank ihre Dollar-Auktionen zusätzlich ausweiten. Sie sollen die Liquidität der Banken erhöhen.
Mit milliardenschweren Geldspritzen hatte die Federal Reserve (Fed) in den vergangenen Monaten auf Liquiditätsengpässe der Banken reagiert. Der lebenswichtige Finanzstrom zwischen den Geldhäusern war durch fehlendes Vertrauen wegen der Kreditkrise immer weiter ausgetrocknet.
Bernanke warnte aber vor dem Eindruck, dass die Zentralbanken jedes Mal bei Finanzturbulenzen sofort zu Hilfe eilen. Eine solche Einstellung gebe "Finanzinstitutionen und ihren Gläubigern weniger Anreize, passende Strategien zur Bewältigung von Liquiditätsrisiken zu verfolgen und mehr Anreize, solche Risiken einzugehen".
In seiner Rede ging Bernanke nicht auf den weiteren Zinskurs der Notenbank oder die Aussichten für die größte Volkswirtschaft der Welt ein. Die Fed hatte ihren Leitzins vergangenen Monat um 0,25 Prozentpunkte auf nunmehr zwei Prozent gesenkt.
Ökonomen rechnen damit, dass die Notenbank nun eine Pause einlegt. Zudem schuf sie mit der Term Auction Facility im Dezember neben dem üblichen Diskontsatz ein weiteres Instrument zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Zentralbankgeld. Inzwischen beläuft sich das Volumen der TAF auf 75 Milliarden Dollar.
Die New Yorker Börse startete schwach, die Aussagen Bernankes gäben den Anlegern keine Anreize, wie am Vortag bei Aktien zuzugreifen, hieß es aus dem Markt zu Handelsbeginn.
feh/dpa/Reuters