Bernie Ebbers Der Kaufrausch-Cowboy
Konzernchefs haben mitunter ausgefallene Hobbys, aber das Treckerfahren ist in aller Regel nicht darunter. Bernie Ebbers aber, geschasster Chef des Telekomkonzerns WorldCom, soll an Wochenenden bis zu 16 Stunden mit dem Traktor herumgefahren sein. Hin und wieder vergnügte er sich mit dem Kastrieren vom Bullen. So einer wie Ebbers, der sein Cowboy-Image pflegte, konnte unter den Anzugträgern der Wall Street wohl nur in Ausnahmezeiten Anhänger finden - wie in den späten Neunzigern. Zu Terminen in New York brachte er damals Charts mit, die den Aktienkurs zeigten, ein Plus von 7000 Prozent in ein paar Jahren. Dann sagte Ebbers "Noch Fragen?"
Fragen hätte es gegeben, gestellt werden sie erst heute. Jahrelang kaufte Ebbers und kaufte, mehr als 75 Konkurrenten, doch zur Einheit gefügt hat er das Firmensammelsurium nicht. Zeitweise soll es bei WoldCom 40 verschiedene Abrechnungssysteme gegeben haben. Die Wertpapieraufsicht prüft, ob Ebbers durch übertriebene Abschreibungen den Boden für spätere, scheinbare Gewinnsprünge bereitet hat. Bei fallenden Umsätzen im Festnetz- und Internetgeschäft leidet WorldCom unter 28 Milliarden Dollar Schulden. Manche Analysten glauben, dass Ebbers' Nachfolger John Sidgmore 2003 fällige Kredite nicht zahlen kann.
Darüber, ob Ebbers ein Schurke oder doch nur ein naives Großmaul war, darf debattiert werden. Während sich CEO-Kollegen mit Aktienverkäufen in Boom-Zeiten bereicherten, erwarb Ebbers immer neue WorldCom-Papiere auf Pump. Als die Banken ihn bedrängten, borgte er sich über 360 Millionen aus der Firmenkasse - ein Anlass für seinen Rauswurf. Dem 60-Jährigen dürfte es schwer fallen, das Geld je zurückzuzahlen. Seine Yacht "Aquasitions" musste er schon verkaufen. Als Nächstes könnte seine 60 Millionen Dollar teure Ranch in British Columbia an der Reihe sein - mitsamt vielen tausend Rindern.