Bertelsmann Aufsichtsratschef Wössner wirft das Handtuch
Gütersloh - In eine Mitteilung schrieb Wössner, dass er "aus Gründen seiner persönlichen Lebensplanung, die auch eigenunternehmerische Tätigkeit vorsieht", das Unternehmen verlassen wolle. Als Austrittstermin nannte er den 31. Oktober.
Der heute 61-jährige Wössner hatte den viertgrößten Medienkonzern der Welt fast 16 Jahre lang geführt und war anschließend in das Aufsichtsgremium gewechselt. Zusätzlich war er stellvertretender Vorstandschef der Bertelsmann-Stiftung und Mitglied der siebenköpfigen Eigentümerversammlung.
Gruner+Jahr-Vorstandschef Gerd Schulte-Hillen, 59, derzeit stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, werde am 1. November den Vorsitz des Aufsichtsrates übernehmen und außerdem in den Vorstand der Bertelsmann Stiftung eintreten, hieß es dazu in einer Erklärung von Bertelsmann. Seinen Chefposten bei Gruner+Jahr werde Schulte-Hillen an Bernd Kundrun übergeben.
Eine zunehmende Entfremdung von Reinhard Mohn, dem 79-jährigen Großaktionär von Bertelsmann, wird in Unternehmenskreisen als Ursache des abrupten Rücktritts vermutet. Eine Führungskrise hingegen sei nicht zu befürchten, da die Stellung des Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff absolut gefestigt erscheine. Der Vorgang wird als eine "Angelegenheit jenseits der operativen Führung" bezeichnet.