Bertelsmann Back to Gütersloh
Gütersloh Der von Middelhoff ins Leben gerufene "Corporate Executive Council", der vorbereitende Arbeiten für den Vorstand erledigte, und Middelhoffs 15-köpfiger Stab ("Office of the Chairman") würden aufgelöst, schrieb Thielen in einem Brief an die Mitarbeiter. Auch der für Übernahmen zuständige Bereich Bertelsmann Capital (BeCapital) werde gestrichen. "In den genannten Bereichen wird sich ein Wegfall von Arbeitsplätzen nicht vermeiden lassen", hieß es in dem Brief, Namen wurden jedoch keine genannt.
Ein Bertelsmann-Sprecher wollte den Stellenabbau am Freitag nicht beziffern und sagte, die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen. Insgesamt sind in der Konzernzentrale 450 Mitarbeiter beschäftigt.
Mit der Straffung der Zentrale setzt Thielen die nach dem Rücktritt Middelhoffs angekündigte Strategie um, den einzelnen Konzernteilen mehr Verantwortung zuzubilligen. "Nur wenn die RTL Group, Random House, BMG, Gruner + Jahr, DirectGroup, Arvato und BertelsmannSpringer weite Handlungsspielräume für freie Entfaltung haben und miteinander kooperieren, werden wir langfristig erfolgreich sein", schrieb der 60-Jährige. Das ist eine klare Abkehr von der Strategie Middelhoffs, die Konzernteile stärker zu einem integrierten Medienkonzern zu verschweißen.
Wie das manager magazin berichtet, steht auch der Online-Buchhändler BOL zur Disposition, der das Bertelsmann-Ergebnis mit einem Jahresverlust von 30 Millionen Euro belastet. Das einst eigenständige Unternehmen soll dem Bericht zufolge zu einer Abteilung des Buchclub-Geschäfts werden.
Eigentlich müsste auch Thielen selbst seinen Posten, den er erst vor drei Wochen anvertraut bekam, wieder abgeben. Nach dem bisherigen Usus im Konzern wurden Vorstandsvorsitzende mit Erreichen des 60. Lebensjahres ausgewechselt.
Middelhoff war nach Differenzen über die weitere Expansionsstrategie und einen bereits geplanten Börsengang völlig überraschend zurückgetreten.