Bertelsmann: BOL verliert Unabhängigkeit - DER SPIEGEL
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Bertelsmann BOL verliert Unabhängigkeit

Bertelsmann räumt im eigenen Haus auf: Das defizitäre Buch-Portal Bertelsmann Online wird den Buchclubs untergeordnet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gütersloh - Die Londoner BOL-Zentrale werde aufgelöst, teilte die Bertelsmann DirectGroup am Dienstag in Gütersloh mit. Der Börsengang der Online-Tochter wurde abgesagt. BOL war im Februar 1999 zunächst in Deutschland und Frankreich gestartet und hatte dann weltweit expandiert.

In Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Finnland und Großbritannien werden die BOL-Filialen als eigenständige Profitcenter in die lokalen Buchclubs integriert. Das BOL-Geschäft in der Schweiz wird künftig von Deutschland aus gesteuert. Die Standorte Dänemark und Norwegen werden geschlossen. In Italien soll das Geschäft in das Joint Venture Mondolibri vollständig integriert werden. Über die Zukunft von BOL in Frankreich und Japan werde mit den dortigen Partnern verhandelt, hieß es.

Klaus Eierhoff, Chef der Bertelsmann DirectGroup, begründete die Neuorganisation mit dem veränderten Kaufverhalten der Kunden: Diese wollten nicht nur online bestellen, sondern alle Kanäle von der telefonischen Bestellung über den Katalog bis hin zum Einkauf mit persönlicher Beratung nutzen.

Mit der Zusammenlegung hofft Bertelsmann, beide defizitären Töchter profitabel zu machen. Die Buchclubs, mit denen Bertelsmann in den fünfziger und sechziger Jahren groß wurde, waren in den letzten Jahren zum Sorgenkind des weltweit agierenden Medienunternehmens geworden. Sie waren Bestandteil der Buch AG, wo sie im vergangenen Geschäftsjahr mit 29 Millionen Mitgliedern zwar die Hälfte des Gesamtumsatzes erzielten, aber in die Verlustzone abrutschten.

Seit Juli 2000 liegen die Buch- und Musikclubs in der Verantwortung der DirectGroup. Hier sind alle Buch- und Musikclubs und die E-Commerce-Geschäfte mit insgesamt 55 Millionen Kunden zusammengefasst.

Wie die DirectGroup am Dienstag weiter mitteilte, sei der Turnaround im Clubgeschäft geschafft worden. Im nächsten Jahr werde man die Gewinnzone erreichen und erwarte einen zweistelligen Millionenbetrag. In diesem Geschäftsjahr beträgt der Gesamtumsatz der DirectGroup rund 7 Milliarden Mark. Der Umsatz von BOL liegt bei 180 Millionen Mark.