Bertelsmann Chef des Aufsichtsrates angeblich angezählt
Gütersloh - Gerd Schulte-Hillen, lange Vorstandschef des Bertelsmann-Ablegers Gruner+Jahr, könnte nach einem Bericht des "Handelsblattes" möglicherweise schon in den kommenden Tagen aus dem Amt scheiden. Eine Entscheidung könnte vor, während oder nach der jetzt anstehenden Aufsichtsratssitzung fallen. Die Zeitung beruft sich auf verschiedene Quellen bei Bertelsmann und bei Gruner+Jahr. Ein möglicher Nachfolger für Schulte-Hillen sei aber noch nicht gefunden, die Suche sei schwierig.
Offenbar kreidet Liz Mohn, Ehefrau des Patriarchen Reinhard Mohn und treibende Kraft hinter vielen der jüngsten Personalveränderungen, Schulte-Hillen seine Kritik am wachsenden Einfluss der Familienaktionäre an. Schulte-Hilllen wollte dem "Handelsblatt" zufolge keinen direkten Kommentar zu den Informationen abgeben: "Fragen Sie den Konzern in Gütersloh", wird er zitiert. Ein Bertelsmann-Sprecher sagte laut Bericht, er wisse nichts von bevorstehenden Veränderungen im Aufsichtsrat, dementierte die Gerüchte aber auch nicht kategorisch.
Schulte-Hillen selbst soll im Sommer 2002 geholfen haben, Middelhoff zu torpedieren. Er hat aber seither den Unmut Liz Mohns provoziert, weil er seine Unzufriedenheit mit der Geschäftspolitik der Mohns öffentlich gemacht hatte, unter anderen in einem SPIEGEL-Interview. "Wenn die Familie nun ein derart starkes Gewicht bekommen soll, wie Mohn es jetzt beabsichtigt, wird das Risiko von Fehlentscheidungen keineswegs geringer", hatte Schulte-Hillen gesagt.
Middelhoff-Nachfolger Gunter Thielen hatte sich daraufhin genötigt gesehen, seinerseits in einem Interview klarzustellen, dass nach wie vor der Vorstand das Regiment führe, nicht die Familie. Das Verhältnis Thielens zu Schulte-Hillen soll trotzdem weiterhin gut sein.