Bertelsmann High Noon mit dem Kabel-Cowboy
München - Nach Überzeugung von Bertelsmann und RTL gefährdet der Einstieg von Liberty Media den freien Wettbewerb, weil das US-Unternehmen nach derzeitigen Plänen gleichzeitig Kabelnetze betreiben und Inhalte anbieten will. Beide Unternehmen seien beunruhigt und hätten ihre Bedenken auch beim Bundeskartellamt angemeldet, sagte ein RTL-Sprecher am Mittwoch. Die Behörde sei aufgefordert worden, den Kabelmarkt in Deutschland für alle Anbieter offen zu halten.
Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, erklärten Bertelsmann und RTL in ihrer Eingabe an die Wettbewerbshüter, der Verbraucher könnte künftig weniger Programme frei empfangen. "Für Programme, die bisher kostenfrei waren, müsste künftig extra gezahlt werden", zitierte das Blatt aus dem Schreiben. Nach Informationen der Zeitung will Liberty beim Digitalfernsehen die bislang frei empfangbaren Sender in einem "Basispaket" für zusätzlich rund zehn Mark pro Monat anbieten.
Der US-Medienkonzern Liberty Media wies die erhobenen Vorwürfe gegen sein Engagement am deutschen Kabelfernmarkt zurück. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Behauptungen des Gütersloher Konzerns entbehrten jeder Grundlage. Liberty stehe zu seiner Aussage, dass die derzeitigen Angebote beim Kabelfernsehen zu den bisherigen Preisen bestehen blieben.
Bislang seien keinerlei Preismodelle beschlossen. Allerdings existieren nach den Worten des Sprechers im internationalen Liberty-Konzern entsprechende Paketangebote. Auch von einem Streben nach der Vorherrschaft über das Kabelnetz wollte der Sprecher nichts wissen. Dieser Vorwurf sei angesichts einer Präsenz in zwei europäischen Ländern "gewagt".
Liberty Media hatte Anfang September für 5,5 Milliarden Euro die letzten noch unverkauften sechs Kabelnetzregionen von der Deutschen Telekom übernommen. Falls das Kartellamt dem Geschäft zustimmt, würde Liberty mit dann zehn Millionen Kunden größter Kabelnetzbetreiber in der Bundesrepublik. Die Entscheidung soll Anfang Januar fallen.