Bertelsmann Massenentlassungen bei BOL
Hamburg - Nur eine Woche nach der angekündigten Neuordnung von BOL soll mehr als ein Viertel der Mitarbeiter gehen. Nach Angaben von Bertelsmann-Sprecher Rocco Thiede werden 20 von den rund 70 Stellen abgebaut. Bei acht Mitarbeitern liefen die Verträge aus, nur zwölf Beschäftigten müsse tatsächlich gekündigt werden, sagte Thiede. Bisher hatte Bertelsmann allein von einer Schließung der internationale Zentrale und der Länderbüros in Dänemark und Norwegen gesprochen.
Die anfängliche Vision, es international mit Amazon.com aufzunehmen, dürfte damit endgültig begraben sein. Im Bertelsmann-Konzern wurde BOL zuvor dem Bertelsmann Buchclub untergeordnet. Klaus Eierhoff, Vorstand der Bertelsmann Direct Group, sagte über Bol: "Wir müssen das Geschäft den Marktgegebenheiten anpassen."
Mit der Zusammenlegung hoffte Bertelsmann, beide defizitären Töchter profitabel zu machen. Die Buchclubs, mit denen Bertelsmann in den fünfziger und sechziger Jahren groß wurde, waren in den letzten Jahren zum Sorgenkind des weltweit agierenden Medienunternehmens geworden. Sie waren Bestandteil der Buch AG, wo sie im vergangenen Geschäftsjahr mit 29 Millionen Mitgliedern zwar die Hälfte des Gesamtumsatzes erzielten, aber in die Verlustzone abrutschten.
Seit Juli 2000 liegen die Buch- und Musikclubs in der Verantwortung der DirectGroup. Hier sind alle Buch- und Musikclubs und die E-Commerce-Geschäfte mit insgesamt 55 Millionen Kunden zusammengefasst.