Bertelsmann: Milliarden-Schulden für Britney - DER SPIEGEL
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Bertelsmann Milliarden-Schulden für Britney

Der Medienriese Bertelsmann begibt erstmals eine Milliarden-Anleihe und will das Geld auch für den Kauf der Plattenfirma Zomba benutzen. Kritiker glauben, dass die Gütersloher für die Heimat von Britney Spears und R. Kelly viel zu viel bezahlen.
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Gütersloh/New York - Soulstar R. Kelly ist nur noch eine Blamage für seine Plattenfirma, kein Hoffnungsträger mehr. Gerade ist der Grammy-Gewinner in den USA wegen Verdachts auf Kinderpornografie angeklagt worden - er soll Sex-Videos mit einem minderjährigen Mädchen gedreht haben. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm 15 Jahre Gefängnis. Seiner Plattenfirma Zomba Records stünde dann bei einem ihrer wichtigsten Stars ein Umsatzeinbruch bevor. Als wäre es für die größte konzernunabhängige Plattenfirma der Welt nicht bedenklich genug, dass sich auch Platten der Backstreet Boys nicht mehr verkaufen wie einst und selbst das Phänomen Britney Spears ein Verfallsdatum hat.

Auch deshalb staunte die Musikbranche nicht schlecht darüber, dass der Medienriese Bertelsmann die US-Firma des Musikproduzenten Clive Calder bis zum Jahresende übernehmen wird - für vermutlich drei Milliarden Dollar. Zwar ist der Kauf für die Deutschen bei weitem kein so fragwürdiges Geschäft wie die Übernahme der bankrotten Musiktauschbörse Napster. Trotzdem scheint die Mega-Akquisition schlecht in eine Zeit zu passen, in der die Plattenindustrie dank Konjunktureinbruch und MP3-Konkurrenz in einer der schlimmsten Krisen seit Jahrzehnten steckt. Allein im letzten Jahr sank der Umsatz aus Albumverkäufen in den USA um zehn Prozent, global nahm die Musikindustrie sieben Prozent weniger ein als im Jahr 2000.

Schuldenlast vervierfacht

Keine Frage, leisten können sich die Gütersloher die Anschaffung. Als einer der wenigen Medienkonzerne ist Bertelsmann fast schuldenfrei - auch, weil man dem kriselnden Konkurrenten AOL Time Warner durch den Verkauf der letzten Anteile an AOL Europe gerade über 6,5 Milliarden Dollar in bar abgeknöpft hat. Trotzdem würden sich die Bertelsmann-Verbindlichkeiten nach dem Zomba-Deal auf rund vier Milliarden Dollar summieren, rechnet das "Wall Street Journal" vor. Und Rating-Agenturen wie Moody's und S&P hatten angedroht, die Kreditwürdigkeit Bertelsmanns herunterzustufen, wenn der Zomba-Kauf vollzogen wird.

Um einen Teil der drei Milliarden zusammenzubekommen, wird Bertelsmann nun erstmals eine Anleihe mit einem Volumen von einer Milliarde Euro an den Markt bringen. Finanzvorstand Siegfried Luther sagte der Agentur Reuters, die Bond-Emission sei zwar seit langem geplant, werde aber auch zur vollständigen Zomba-Übernahme beitragen. Die Anleihe wird eine mittlere Laufzeit haben, die Roadshow beginnt am Mittwoch und läuft bis zum 19. Juni, weitere Details sind noch nicht bekannt. Der Bond wird dann voraussichtlich Ende nächster Woche begeben. Manche Finanzmarktexperten rechnen damit, dass Bertelsmann versuchen wird, sich durch die Anleihe sogar 1,5 Milliarden zu beschaffen.

Star-Entdecker vor dem Abschied

Großen Spielraum für weiteres Wachstum und neue Zukäufe wird Bertelsmann danach kaum mehr haben. Die Plattensparte BMG wird sich derweil bemühen müssen, Zomba zu integrieren. Unklar ist noch, ob der visionäre Gründer, CEO und Chairman Clive Calder dem Unternehmen weiter zur Verfügung steht - oder seinen Abschied nimmt. Das wäre ein Schlag für BMG, denn Calder wird eine gute Spürnase für Trends nachgesagt. Mit Star wie Spears und 'N Sync hat er vom Phänomen des Teenie-Pop profitiert wie wenige andere. Auch das Potenzial neuer Musikgenres wie Rap und Christian Rock hat Calder frühzeitig erkannt. Den späteren Megastar Will Smith nahm er schon in den frühen Achtzigern unter Vertrag.

Eines aber ist klar: Calder hat mit dem Verkauf von Zomba ein gutes Geschäft gemacht. Da mag Bertelsmann-Boss Thomas Middelhoff noch so dezidiert betonen, er sei begeistert von den Zombas Zukunftsaussichten. Der Musikanalyst Michael Nathanson jedenfalls sagte der "New York Times", drei Milliarden Dollar seien ein "sehr stattlicher Preis. Dafür könnte man momentan die ganze EMI Group kaufen". Calder hat den Verkauf klug eingefädelt und Bertelsmann offenbar keine andere Wahl gelassen. Nachdem BMG schon vor Jahren eine Minderheitsbeteiligung an Zomba Records übernahm, hatte man sich auf die Option geeinigt, die Calder den Komplettverkauf seiner Anteile ermöglicht. Der Preis richtet sich nach den Profiten, die Zomba in den drei Jahren vor dem Verkauf erzielt hat.

Und just deshalb sehen es Branchenbeobachter als Warnsignal, dass sich Calder gerade jetzt zum Verkauf entschieden hat: Der findige Musikmanager geht offenbar davon aus, dass die nächsten Jahre für Zomba schlechtere Jahre sein werden.