Bertelsmann Vorstandschef Thielen will weitermachen
Düsseldorf - "Wenn mich der Aufsichtsrat fragt und meine Vorstandskollegen zustimmen, werde ich es machen", sagte der 61-jährige Thielen am Freitag nach Angaben aus Branchenkreisen vor etwa 600 Bertelsmann-Managern in Berlin. Er habe nach seiner Äußerung stehende Ovationen erhalten, hieß es. Der im Sommer 2002 abgeschlossene Vertrag hat eine Laufzeit von zunächst drei Jahren. Das Management des Konzerns tagt seit Donnerstag in Berlin, um über die weitere Konzernstrategie zu beraten.
Um die künftige Strategie war es in der Vergangenheit immer wieder zu Differenzen innerhalb der Bertelsmann-Spitze gekommen. So scheidet Aufsichtsratschef Gerd Schulte-Hillen zum Jahresende aus dem Amt. Der ehemalige Thyssen-Chef Dieter Vogel wurde am Mittwoch zum neuen Chef des Kontrollgremiums gewählt.
Hintergrund für den Rücktritt Schulte-Hillens waren Meinungsverschiedenheiten über die Zusammenlegung der Musiksparte BMG mit Sony Music und über die Art der Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand. Schulte-Hillen und Thielen hatten auch unterschiedliche Meinungen über die Rolle der Familie Mohn bei Bertelsmann geäußert. Der Gütersloher Medienriese wird seit fünf Generationen von der Familie Mohn kontrolliert.
Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn hatte zu Beginn des Jahres den Konzern neu organisiert und die Führung an seine Frau Liz und andere Familienmitglieder übertragen. Schulte-Hillen hatte in einem Interview im Februar kritisiert, Bertelsmann könnte dadurch zu einem dynastisch organisierten Familienunternehmen werden. Thielen hatte ihn daraufhin aufgerufen, solche Bedenken nicht öffentlich zu äußern.
Thielen hatte im vergangenen Jahr den Chefposten von Thomas Middelhoff übernommen, nachdem die Familie Mohn Middelhoff ihre Unterstützung entzogen hatte. Middelhoff hatte dem Konzern eine aggressive Expansionsstrategie auch im Internet verordnet und wollte Bertelsmann an die Börse bringen. Thielen hat den Mediengiganten seitdem auf die Fokussierung und Stärkung der Kerngeschäfte ausgerichtet. Zum Abbau des durch Zukäufe aufgebauten Schuldenstandes von 2,7 Milliarden Euro hat Thielen Anteile verkauft und Kosten gesenkt.