Bertelsmann: Zwei Milliarden für die Expansion - DER SPIEGEL
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Bertelsmann Zwei Milliarden für die Expansion

Das vergangene Geschäftsjahr verlief für den Gütersloher Medienriesen Bertelsmann eher bescheiden. Doch für 2004 sagt Bertelmann-Chef Gunter Thielen wieder Wachstum voraus. Allein für Zukäufe will er zwei Milliarden locker machen.
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Berlin - "Bertelsmann steht auf einer gesunden Basis: Unsere Finanzen sind in Ordnung, alle Unternehmensbereiche profitabel. Jetzt konzentrieren wir uns wieder auf Wachstum", sagte Bertelsmann-Chef Gunter Thielen auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns am Dienstag in Berlin. Das neue Geschäftsjahr 2004 sei viel versprechend angelaufen, erklärte Thielen. Bertelsmann gehe deshalb von weiter steigenden operativen Erträgen aus. Dazu beitragen werde auch die geplante Innovationsoffensive innerhalb des Konzerns.

Thielen kündigte außerdem Akquisitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro zur Stärkung der Kerngeschäfte an. Bertelsmann werde sich verstärkt den Wachstumsmärkten Osteuropa und Asien zuwenden.

Bisher macht der Medienriese erst rund drei Prozent seines Umsatzes im asiatisch-pazifischen Raum. Dieser Wert solle sich nach Thielens Plänen vervielfachen. So will Bertelsmann die Zahl der Buchclub-Kunden in China mehr als verdreifachen - von 1,5 Millionen auf rund fünf Millionen. Auch über einen Einstieg in den chinesischen und indischen Fernsehmarkt werde nachgedacht. Hier könne die Produktionsfirma FremantleMedia eine Vorreiterrolle übernehmen, sagte der Manager. Die Fernseh-Tochter RTL, Europas größter TV-Anbieter, will vor allem in Osteuropa neue Märkte erschließen.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Bertelsmann beim Reingewinn und beim Umsatz deutliche einbußen hinnehmen müssen: Unter dem Strich sank der Jahresüberschuss drastisch auf 154 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte er noch 928 Millionen Euro betragen, wozu allerdings auch der Verkauf von Anteilen an AOL Europe beigetragen hat.

Auf Grund des schwachen Dollar-Wechselkurses und des Verkaufs des Unternehmensbereichs Bertelsmann Springer schrumpfte der Konzernumsatz zudem von 18,3 auf 16,8 Milliarden Euro. Die Nettofinanzschulden konnte Bertelsmann aber deutlich abbauen: Die Verbindlichkeiten sanken auf 820 Millionen Euro nach 2,7 Milliarden Ende 2002.

Möglich wurde der Anstieg des operativen Ergebnisses auch durch bessere Geschäfte der Musiksparte BMG zur Weihnachtszeit: "Wir haben im letzten Quartal eine grandiose Aufholjagd bei BMG gesehen, nachdem es im ersten Halbjahr noch einen Verlust verzeichnet hatte", sagte Finanzvorstand Siegfried Luther. Zudem schaffte das bisherige Sorgenkind Direct Group dank einer Konzentration auf das Kerngeschäft die Rückkehr in die Gewinnzone. Nach einem Verlust von 150 Millionen Euro im Jahr zuvor stieg das Ebita nun auf vier Millionen Euro. Europas größter TV-Konzern, die RTL Group, konnte den operativen Gewinn im vergangenen Jahr auf 503 (465) Millionen Euro steigern.