Beschäftigungspakt Siemens-Beschäftigte arbeiten länger, gegen Garantie
München - Die Tarifeinigung mit Gesamtbetriebsrat und IG Metall sieht neben der 37-Stunden-Woche eine Umwandlung von Weihnachts- und Urlaubsgeld in eine leistungs- und erfolgsbezogene Prämie vor, wie ein Siemens-Sprecher heute in München mitteilte. Als Konzession würden die 12.000 Beschäftigten, die in selbstständige Servicegesellschaften ausgegliedert worden sein, wieder in die Siemens AG eingegliedert.
Die IG Metall wertete vor allem die Standortsicherung als Erfolg. "Der Siemens-Konzern wird keine Niederlassungen schließen und keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen. Das ist ein wichtiges Signal", sagte IG-Metall-Vize Berthold Huber in Frankfurt. Die Arbeitszeitverlängerung sei nicht ideal, aber annehmbar.
Siemens und die Arbeitnehmervertreter hatten Monate lang verhandelt. Die Einigung sieht nun vor, dass die betreffenden 20.000 Beschäftigten künftig 37 Stunden pro Woche arbeiten. Bisher galt für die 8000 Mitarbeiter, die direkt zum Siemens-Konzern gehörten und damit nach dem Metalltarif bezahlt wurden, die 35-Stunden-Woche. Die Beschäftigten in den ausgegliederten Siemens-Servicegesellschaften haben von der Wiedereingliederung keine direkten finanziellen Vorteile, die Zugehörigkeit zu Siemens bietet aber Sicherheit.
Konkret sieht der neue Tarifvertrag eine Jahresarbeitszeit von 1575 Stunden plus 50 Stunden für Qualifizierungsmaßnahmen vor. Die IG Metall sprach nur von einer Arbeitszeitverlängerung auf 35,8 Stunden. Dabei sind offensichtlich anders als bei der Siemens-Rechnung die Weiterbildungsstunden nicht berücksichtigt.
Mit der Einigung will Siemens die Schlagkraft seiner deutschen Niederlassungen stärken. "Wir erwarten, dass ein solches Tarifmodell einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung leistet und damit auch zur Sicherung der Arbeits- und vor allem der Ausbildungsplätze beiträgt", sagte Siemens-Personalvorstand Jürgen Radomski. Siemens hatte im vergangenen Jahr bereits in zwei Telefonwerken in Nordrhein-Westfalen längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn durchgesetzt.
Das Geschäft mit Mobiltelefonen bleibt trotzdem nach wie vor unerfreulich. Nach Informationen des "Handelsblatts" fuhr Siemens ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2004/05 (30. September) ein ähnlich hohes Minus ein wie im Vorquartal.
Der Konzern habe zudem nach Angaben aus der Branche zwischen September und Dezember erneut Marktanteile verloren, hieß es in dem Bericht. Davon hätten in erster Linie asiatische Konkurrenten wie NEC und LG profitiert.
Zwischen Juli und September machte Siemens mit Mobiltelefonen einen operativen Verlust von 141 Millionen Euro. Ein Siemens-Sprecher wollte dazu am Dienstagabend mit Verweis auf die Vorlage der Quartalszahlen an diesem Donnerstag (27. Januar) keine Stellungnahme abgeben.