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»Es war«, so erinnert sich Herbert Bergmann. Prokurist des Hamburger Bankhauses Wolff KG, »wie der Wettlauf zwischen Hase und Igel": Kaum hatte das Bank-Management mit neuen Krediten jene Löcher gestopft, die durch den Geldabzug der Herstatt-verschreckten Privatkundschaft entstanden waren, da mußte der Kassierer neue Auszahlungen leisten.
Am Freitagmittag letzter Woche gaben die Hamburger die ungleiche Konkurrenz auf. Hans G. Wolff, persönlich haftender Gesellschafter des Instituts, gab seine Banklizenz zurück und ließ die Schalterhalle dichtmachen.
Und wieder einmal tauchte -- wenn auch nur beiläufig -- der Name des Kölner Versicherungsunternehmers und Herstatt-Hauptaktionärs Hans Gerling auf: Bankier Wolff hatte, bevor er sich 1962 selbständig machte, als Gerling-Gehilfe gedient und war schließlich zum persönlich haftenden Gesellschafter des Gerling-Unternehmens Global Bank aufgestiegen.
Schon wenige Jahre nach seiner Trennung von Gerling drohte Wolffs Alleingang zu scheitern. 1967 verkrachte er sich mit seinem Kommanditisten Friedrich Josias Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, der sich in Erwartung einer dicken Erbschaft einen Großkredit einräumen ließ, den er später schuldig blieb.
Ende letzten Jahres schien das mit bestem Alsterblick und einem Kapital von 13 Millionen Mark ausgestattete Bankhaus aller Probleme ledig: Der italienische Milliardär Michele Sindona hatte sich über seine Holdinggesellschaft Fasco zur Hälfte an dem Institut beteiligt.
Doch genau diese Finanzspritze sollte einer der »maßgeblichen Gründe« (Bergmann) für den Sturz der Privatbank werden. Denn mittlerweile war Hauptaktionär Sindona in Bedrängnis geraten. Anfang dieses Jahres verlor die von ihm kontrollierte New Yorker Franklin National Bank durch Devisenspekulation über 60 Millionen Dollar. Zwar konnte die Bank durch massive Kreditspritzen der US-Zentralbank und der New Yorker Großbanken in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar vor dem Kollaps bewahrt werden -- doch der Vertrauensschwund bei den Sindona-Kunden brachte das ganze Finanz-Imperium ins Wanken.
Vor allem aus Sindonas italienischer Banca Unione zogen Kreditinstitute und private Einleger so massiv Gelder ab, daß nur ein 100-Millionen-Dollar-Kredit des staatlichen Bankhauses Banco di Roma den Zusammenbruch des Instituts verhinderte.
Der Preis für die Hilfsaktion: Sindona trat die Kontrolle über seine wichtigsten Italien-Unternehmungen an die Staatsbankiers ab. Banco-di-Roma-Manager Mario Barone: »Wir kontrollieren jetzt die Männer und das Geld.«
Sein verschachteltes Banken-, Immobilien- und Industrie-Imperium hatte Sindona vor allem durch geschickten Aufkauf und erfolgreichen Weiterverkauf von Firmen aufgebaut. Noch vor kurzem wurden die von ihm kontrollierten Aktiva auf fast 25 Milliarden Mark geschätzt, von denen über 1,2 Milliarden Mark ihm selbst gehörten.
Als Sindona auf dem Höhepunkt seiner Macht über 21 Prozent der Franklin National Bank erworben hatte, spottete der Finanzier: »Jeder ruft mich an und sagt, daß er mir Geld geben will. Jeder bietet mir einen Schirm an, wenn es nicht regnet.« Nun, da Sindona Hilfe benötigt, kommt nicht einmal jemand, so Londons »Sunday Times«, »mit einem Papierhut, geschweige denn mit einem Regenschirm«.
Auch Geldverleiher Wolff fand nun keinen Schutz mehr. Vergebens suchte der Bankier, der Prominente wie den Immobiliar-Großspekulanten Detlev Renatus Rüger oder den früheren Ärztekammer-Präsidenten Ernst Fromm zu seinen Kommanditisten rechnen durfte, von der Banco di Roma die fehlende Liquidität überwiesen zu bekommen. Die Italiener winkten ab: Sie hätten sich lediglich für die italienischen Sindona-Unternehmen verbürgt.
Auch die Deutschen spielten nicht mit. Obgleich das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen dem Institut solide Bilanzen attestierte, wollten die um Hilfe gebetenen deutschen Institute die Bücher der in Bedrängnis geratenen Hamburger überprüfen. Als Wolff unter Hinweis auf das Bankgeheimnis diese Bedingung abschlug, sperrte das Gewerbe dem Kollegen den Geldhahn.
Um so eifriger versicherten die Herren, den Wolff-Einlegern werde nichts passieren. Der für Notfälle dieser Art eingerichtete Feuerwehrfonds der Banken stehe bereit, die privaten Sparer mit Guthaben bis zu 20 000 Mark abzufinden, und auch Firmen oder Großsparer würden voll befriedigt werden.
Im übrigen aber legte der Bundesverband deutscher Banken auf jene Feststellung wert, die er bei jeder Bankenpleite der letzten Wochen abgab. Bankenverbands-Sprecher Hartwig Meyer: »Das ist ein unglücklicher Einzelfall.«