Bestechungsaffäre Ermittlungen gegen Philips- und Media-Saturn-Mitarbeiter
München/Hamburg - Prämien für bestimmte Aufträge - so soll es gelaufen sein. Im Verdacht stehen Mitarbeiter des Haushaltsgeräteherstellers Philips sowie Angestellte verschiedener Elektrofachmärkte. Acht leitende Mitarbeiter aus dem Vertrieb von "Philips-Haushaltsgeräte" (Mixer, Staubsauger) stünden im Zentrum der Ermittlungen, bestätigte der Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, Rüdiger Bagger. Rund 230.000 Euro seien insgesamt an die Einkäufer geflossen - nicht immer in Bar. Unter anderem hätten die Prämien aus Uhren im Wert von 12.500 Euro, hochwertigen Anzügen, Hotelaufenthalten, Gartenmöbeln oder Gutscheinen für Reisen oder zum Tanken bestanden.
Die Ermittlungen laufen bereits im großen Stil. Bei 116 Durchsuchungen von Privat- und Geschäftsräumen in 14 Bundesländern wurde Material zur Auswertung sichergestellt. Neben den acht leitenden Mitarbeitern aus dem Vertrieb sind seit Mai auch 15 Philips- Außendienstmitarbeiter sowie Einkäufer bundesweit tätiger Fachmärkte ins Visier der Ermittler geraten. Nach Angaben von Philips handelt es sich überwiegend um ehemalige Mitarbeiter, deren Vergehen auf die Jahre 2000 bis 2002 zurückreichten. "Die Verantwortlichen arbeiten nicht mehr für Philips", sagte der Sprecher. Insgesamt gebe es 118 Beschuldigte, sagte Bagger.
Media-Markt bestätigt Prämien
Die betroffenen Fachmärkte wollte der Staatsanwalt nicht nennen. Media-Saturn bestätigte in Ingolstadt jedoch, dass Mitarbeiter von Media-Märkten und Saturn-Häusern Prämien erhalten hätten, die an ein bestimmtes Auftragsvolumen gebunden gewesen seien. "Unmittelbar nachdem wir über das Ermittlungsverfahren informiert worden waren, haben wir die erforderlichen internen Recherchen angestellt und der Staatsanwaltschaft unsere umfassende Kooperation angeboten", erklärte die Unternehmensgruppe.
Gegen wie viele Mitarbeiter sich die Vorwürfe richten, sei derzeit noch nicht bekannt, sagte ein Media-Saturn-Sprecher, auch die Anzahl der Fälle lasse sich noch nicht abschätzen. Auf den Empfängerlisten befinde sich "auch eine sehr große Anzahl fingierter Namen, das heißt von Personen (...), die nachweislich nie Mitarbeiter eines Media-Marktes oder eines Saturn-Marktes waren", hieß es. Das Unternehmen sehe sich selbst als Geschädigter. Eine solche Praxis der "Verkaufsförderung" habe Media-Saturn den Lieferanten bereits zuvor "mehrfach untersagt", erklärte das Unternehmen.
ase/dpa