Bestechungsvorwürfe Ratiopharm droht "Stern" mit Klage
Hamburg - Neben den Zahlungen an Ärzte beschenke Ratiopharm auch Apotheker in großem Stil, heißt es in dem "Stern"-Bericht. Ratiopharm wies die Vorwürfe entschieden zurück und warf dem "Stern" "mutwillige Rufschädigung" vor. Der Bericht basiere auf falschen Fakten und Aussagen ehemaliger Mitarbeiter. Der Konzern werde gegen das Magazin deshalb juristische Schritte einleiten.
Wie das Magazin berichtet, sei über das in vielen Arztpraxen installierte Computerprogramm DocExpert feststellbar, wie viel Ratiopharm-Präparate ein Arzt im vergangenen Quartal verschrieben hat. Der Pharmakonzern belohne die beteiligten Ärzte dafür mit einer Provisionszahlung in Höhe von 2,5 Prozent des Medikamenten-Verkaufspreises. Die Zahlungen reichten nach dem Bericht von wenigen hundert Euro bis über 2000 Euro pro Arzt im Quartal.
Ratiopharm-Mitarbeiter schätzten dem Magazin zufolge, dass bundesweit zwischen 500 und 1000 Ärzte von diesem System profitierten. Die angeblichen Provisionszahlungen würden über Verrechnungsschecks abgewickelt, die Pharmareferenten den beteiligten Ärzten zukommen ließen und die beispielsweise als "Referentenhonorare" getarnt seien.
Für Apotheker gebe es sogenannte Rabattaktionen, heißt es in dem Bericht weiter. Dabei würde für jedes bestellte Ratiopharm-Medikament eine weitere Packung gratis dazu geliefert. Diese Gratispackungen würden dann an Patienten abgegeben und den Krankenkassen regulär in Rechnung gestellt. Den Krankenkassen entstehe durch diese Praxis der "Naturalrabatte" gemessen am Apotheken-Verkaufspreis der Präparate ein Schaden von jährlich mehr als einer Milliarde Euro, heißt es weiter. Das zeigten bisher unveröffentlichte, interne Berechnungen von Generikaherstellern. Zusätzlich gewähre Ratiopharm ausgewählten Apothekern Preisnachlässe von bis zu acht Prozent auf ihre reguläre Medikamentenbestellung.
Ratiopharm wies in einer Erklärung "entschieden die Behauptungen des Artikels zurück, das Unternehmen praktiziere seit Jahren systematisch fragwürdige Marketing- und Vertriebsmethoden". "Diese Darstellung ist falsch." Es sei "nicht hinnehmbar, dass Einzelfälle aus der Vergangenheit, die bereits abgestellt wurden, als Norm dargestellt werden".
Der Bericht stütze sich "in seiner Gesamtaussage und in Schlüsselaussagen auf dubiose Quellen, Werturteile ehemaliger Mitarbeiter und falsche Fakten". So würden Sachverhalte und Zitate "aus dem Zusammenhang gerissen und missinterpretiert". Der Artikel wolle dem Ruf des Unternehmens und seiner Mitarbeiter schaden. "Ratiopharm wird sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die vom 'Stern' verbreiteten Unterstellungen wehren."