Betriebsratsstreit SAP flieht nach vorn
Hamburg - Bereits in den kommenden Tagen soll es so weit sein. Dann würden die Mitarbeiter von SAP aufgefordert werden, in einer Betriebsversammlung einen Wahlvorstand zu bestimmen, schreibt die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf das Management. Der Wahlvorstand ist für die Vorbereitung und Durchführung einer Betriebsratswahl nötig. Der Konzernvorstand wolle über seine Bildung so schnell wie möglich mit der bestehenden Arbeitnehmervertretung sprechen.
Nach "FTD"-Informationen will SAP so wieder die Regie übernehmen. Nur so könne verhindert werden, dass das Arbeitsgericht Mannheim einen Wahlvorstand zwangsweise einsetzt und dieser dann aus den drei Mitarbeitern besteht, die sich trotz der überwältigend großen Ablehnung in der Belegschaft für die Einführung eines Betriebsrats stark gemacht hatten. Damit würde SAP auch die IG Metall ausbremsen, die die drei Mitarbeiter unterstützt hatte. Ähnliches hatte der SPIEGEL bereits am Samstag berichtet.
Bisher hatte Vorstandschef Henning Kagermann die Gründung eines Betriebsrats, gegen die auch SAP-Mitgründer Dietmar Hopp kämpft, nicht unterstützt. Vielmehr sollten alle Optionen geprüft werden, wie sich ein solches Gremium abwenden lässt. In einer Mitarbeiterversammlung Anfang März hatten sich 91 Prozent der anwesenden rund 5600 SAP-Mitarbeiter gegen einen Betriebsrat ausgesprochen.
Bei dem Streit geht es um die Mitarbeitervertretung in der Konzernzentrale in Walldorf und den Standort im benachbarten St. Leon-Rot. SAP ist mit mehr als 13.000 Mitarbeitern in Deutschland seit der Gründung 1971 das größte deutsche Unternehmen ohne eine gesetzliche Arbeitnehmervertretung. Die IG Metall versucht seit Jahren wie auch die Gewerkschaft Verdi vergeblich, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Bereits vor drei Jahren war ein Vorstoß für eine Betriebsratsgründung am mangelnden Interesse der Belegschaft gescheitert.
itz/AFP/Reuters