Betrugsvorwurf: Russischer Tycoon Beresowskij verhaftet - DER SPIEGEL
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Betrugsvorwurf Russischer Tycoon Beresowskij verhaftet

Auf dem Zenit seiner Macht galt er als Königsmacher im Kreml, der russische Präsident Putin soll ihm sein Amt verdanken. Schon seit Jahren aber lebte der russische Magnat und Milliardär Boris Beresowskij nach umstrittenen Geschäften im Londoner Exil - und dort ist er nun verhaftet worden.
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London/Moskau - Die britische Polizei hat Beresowskij am Dienstag auf Antrag der russischen Behörden vorübergehend festgenommen. Gegen ihn bestehe Betrugsverdacht, teilte ein Polizeisprecher mit. Zwischenzeitlich sei Beresowskij aber gegen Kaution wieder freigelassen worden. Mit ihm wurde auch sein früherer Geschäftspartner Juli Dubow vorübergehend inhaftiert. Beide sollten am 2. April dem Richter vorgeführt werden.

Beresowskij, der zu Beginn der Ära Gorbatschow noch als Dozent an einer zweitrangigen Hochschule arbeitete, hat innerhalb weniger Jahre ein immenses Vermögen angehäuft. Nach Schätzungen soll es sich immer noch auf drei Milliarden Dollar belaufen. Gegen ihn und mehrere seiner früheren Geschäftspartner lag ein internationaler Haftbefehl wegen "räuberischer Erpressung" vor. Ein Moskauer Gericht hatte bereits im Oktober 2002 Haftbefehl gegen ihn, Dubow und einen weiteren Geschäftspartner erlassen.

Tricks mit zinslosen Krediten

Dem russischen Auslieferungsantrag zufolge wird Beresowskij vorgeworfen, in den Jahren 1994 und 1995 die Verwaltung der Region Samara betrogen zu haben. Beresowskij war in dieser Zeit Direktor des Unternehmens LogoVas, das in der Zeit von Perestroika und Glasnost den ersten an westlichen Modellen orientierten Autohandel in Russland aufbaute. LogoVas war eine Zeit lang der einzige Vertreiber für den Autohersteller AwtoVas und dient immer noch als Holding für andere Geschäftsaktivitäten Beresowskijs.

Die russischen Ermittler werfen Beresowskij vor, Automobile von AwtoVas "gestohlen" zu haben. Schon seit langem vermuten sie, dass er Autos, die eigentlich für den Export bestimmt waren, umgeleitet und im Inland verkauft haben könnte. Zudem soll Berezowskij Wagen bei AwtoVas auf zinslosen Kredit erworben und rasch weiterverkauft haben. Dem Hersteller, so der Vorwurf, soll er das Geld erst später bezahlt haben, als es wegen der russischen Hyperinflationen einen Großteil seines Wertes verloren hatte. Beresowskij erklärt alle Vorwürfe gegen ihn für konstruiert. Er wirft Präsidente Putin vor, ihn wegen seiner Kritik an der Regierung zu verfolgen.

Berühmter Rechsstreit wegen Mafia-Vergleichen

Beresowskij gehörte in den neunziger Jahren zum Kreis der so genannten Oligarchen aus dem Umfeld des damaligen Präsidenten Boris Jelzin. Zusammen mit anderen Unternehmenschefs, die aus der "Insolvenzmasse" der UdSSR teils für absurd niedrige Preise viel versprechende Unternehmensteile erworben hatten, soll er die zweite Wahl Jelzins mit finanziert haben, der wiederum ihr geschäftliches Treiben tolerierte.

Als einziger der Oligarchen bekleidete Beresowskij ein Staatsamt: Er amtierte als Sekretär des russischen Sicherheitsrates. Beresowskij war in einer Vielzahl von Artikeln in der westlichen Presse, die er zurückwies und teils per Klage stoppte, mit einem Mafiaboss verglichen worden. Besonders bekannt ist sein Rechtsstreit mit dem US-Magazin "Forbes", der sechs Jahre währte und unlängst mit einem außergerichtlichen Rückzieher des US-Blattes endete. "Forbes" hatte in der nun zurückgezogenen Darstellung behauptet, hinter dem russischen Oligarchen verlaufe "eine Spur von Leichen".

Beresowskij lebte aus Angst vor einer Verhaftung in Russland seit mehr als zwei Jahren in London. Noch nach seinem Gang ins Exil kontrollierte er den Fernsehsender TV6, der bis zu seiner Schließung Anfang 2002 als einziges noch regierungskritisches Medienunternehmen in Russland galt. Beresowskij galt als wichtiger Förderer des jetzigen Präsidenten Wladimir Putin, dessen Kandidatur er innerhalb des Kreml und über seine TV-Sender befördert haben soll. Putin griff aber kurz nach seinem Amtsantritt hart gegen Beresowskij und seine Medien durch.