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AUTOMOBILE Bewegt sich wenig

Das Geschäft mit Transportern geht schlecht; die Hersteller kämpfen mit hohen Rabatten um den Kunden.
• aus DER SPIEGEL 36/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für VW-Abteilungsleiter Horst-Günther Nacken, Chef des Nutzfahrzeug-Verkaufs Inland, war »das Geschäft vom Volumen her völlig unbedeutend«. Dennoch hat es den Wolfsburger »richtig geärgert«.

Die Stadt Wolfsburg, Sitz des Stammwerks und der Konzern-Zentrale von VW, brüskierte die Manager des größten deutschen Automobil-Konzerns: Die Stadtverwaltung, die seit Jahrzehnten VW-Produkte bevorzugt, kam diesmal mit der Konkurrenz ins Geschäft und bestückte ihren Fuhrpark mit Dreieinhalb-Tonnern von Mercedes.

Daimler-Benz war einfach billiger. Die Offerte eines Mercedes-Händlers mit dem marktüblichen Rabatt unterbot die Werksniederlassung in Braunschweig noch um 2000 Mark. Der VW-Händler am Ort wollte da nicht mehr mithalten.

Solche Preiskämpfe sind auf dem Markt keine Ausnahme mehr. Seit Monaten suchen sich die beiden Branchenführer VW und Daimler-Benz mit Preisnachlässen von bis zu 30 Prozent Kunden abzujagen.

Daimler-Händler nehmen inzwischen sogar ein Jahr alte VW-Busse zu Neupreisen in Zahlung. Aber auch die Wolfsburger sind beim Verkauf ihrer Bullys und LT-Transporter nicht kleinlich. In Berlin etwa warb VW in Zeitungsanzeigen mit Rabatten von 22 Prozent.

Das Transporter-Geschäft, klagte VW-Verkaufschef Werner P. Schmidt vor Mitarbeitern, werde immer schwieriger. »Es bewegt sich sehr wenig«, urteilt auch Daimler-Benz-Manager Fritz Kreusler, Chef des Lastwagen-Verkaufs Inland.

Daimler verkaufte im ersten Halbjahr von seinen kleinen Transportern rund neun Prozent weniger als im Vorjahr. Bei den Vier- bis Sechstonnern ging der Absatz sogar um 21 Prozent zurück.

Die Folgen sind deutlich spürbar. In den Mercedes-Werken Bremen und Düsseldorf mußte bereits die Produktion gedrosselt werden. Immer mehr Modelle rollten vom Fließband direkt auf Halde.

Um Kurzarbeit zu vermeiden, entschied sich das Daimler-Management, in Bremen verstärkt das gefragte Kombi-T-Modell zu produzieren. Einige hundert Beschäftigte aus der Laster-Montage arbeiten nun an den Pkw-Bändern.

Volkswagen ist schlechter dran. Im Werk Hannover werden ausschließlich Transporter und die Kleinlaster der LT-Reihe hergestellt. Im September müssen daher 9000 Arbeiter des Transporter-Werks drei Wochen Kurzarbeit einlegen.

Vor allem die Kleinlaster machen den Wolfsburgern zunehmend Sorgen. In der Klasse von 2,8 bis vier Tonnen büßte VW 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein, bei den stärkeren Modellen sogar 32 Prozent.

Andere deutsche Hersteller stehen kaum besser da. Opel verkaufte von seinem Bedford-Blitz im ersten Halbjahr rund ein Fünftel weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Ford traf es noch ärger: Der Transit-Absatz schrumpfte um ein Drittel.

Die Konjunktur ist schlecht, und die Zinsen sind hoch, klagen die Automobilverkäufer. Schuld am stockenden Absatz sind überdies -- wieder einmal -- die Japaner. Der Druck der fernöstlichen Konkurrenten, erkannte Daimler-Chef Gerhard Prinz, habe nun auch auf dem Transporter-Markt erheblich zugenommen.

Das muß wohl so sein, denn die Japaner legen beachtliche Verkaufsziffern vor. In einem Jahr eroberte sich etwa Mitsubishi mit seinem Transporter-Typ L 300 in der Bundesrepublik einen Marktanteil von 6,2 Prozent.

Mitbewerber Toyota, mit seinem Typ Hiace seit gut drei Jahren auf dem deutschen Markt, verkaufte im ersten Halbjahr weit über 30 Prozent mehr. Rund 7000 Transporter will Toyota 1981 absetzen, fast doppelt soviel wie im Vorjahr.

Und wieder verdanken die Japaner den Erfolg einer aggressiven Preispolitik. Toyota und Mitsubishi bieten ihre Pritschenwagen, Busse und Transporter um bis zu 2000 Mark billiger an als ihre deutschen Konkurrenten.

Für ihren Vorstoß auf den deutschen Markt haben sich die japanischen Autofirmen außerdem noch eine Marktlücke ausgesucht. Sie gehören zu den ersten Anbietern von Klein-Transportern unter einer Tonne Zuladung. Die Modelle von VW, Daimler und Ford liegen fast alle darüber.

Der gelungene Transporter-Start ermuntert die Japaner nun zu neuen Taten. Nach erfolgreichen Anläufen auf den Testmärkten in Belgien, Holland und in der Schweiz wollen Mitsubishi und Toyota demnächst auch in der Bundesrepublik Kleinlaster über dreieinhalb Tonnen Gesamtgewicht verkaufen.

Es wird auf dem gesamten Markt eng werden. Erst vor wenigen Monaten stellte auch Renault zwei neue Kastenwagen mit über 70 Modellversionen vor. Die Konkurrenten Ford und Fiat wollen nachziehen und ihr Programm beträchtlich ausweiten.

Der VW-Konzern entschied sich für einen anderen Weg zum Erfolg. Der Vorstand will seiner Verkaufsabteilung ein höheres Absatzförderungs-Budget bewilligen.

Mit diesen Förder-Millionen will das Unternehmen verhindern, daß ihm künftig Aufträge wie der unmittelbar vor der Tür in Wolfsburg von der Konkurrenz weggeschnappt werden: Das Geld ist als Rabatt-Reserve für den Handel gedacht.

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