Bieterrennen Chinesen prüfen Opel-Geschäftsbücher
Frankfurt am Main - Innerhalb der kommenden zwei Wochen wird eine Delegation von Beijing Automotive Industry (BAIC) in Rüsselsheim eintreffen. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ"). BAIC-Chef Xu Heyi wolle dann bei Betriebsräten, Gewerkschaften und Politikern um Vertrauen für seinen industriellen Plan werben. In einem ersten Grobkonzept von Ende Mai hätten die Chinesen in allen relevanten Punkten etwas größere Zugeständnisse gemacht als der Rivale Magna. Das Angebot ging jedoch erst nach Ablauf einer Frist ein, die die Bundesregierung für Opel-Angebote gesetzt hatte.
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Foto: THIERRY ROGE/ REUTERSDen Verantwortlichen von General Motors (GM) erschien es jedoch attraktiv genug, um die Chinesen einzuladen. Sie hätten BAIC die Erlaubnis zur Prüfung der Bücher erteilt, zitiert die "FAZ" aus Kreisen der bisherigen Opel-Mutter GM. Das Unternehmen aus Peking wolle schon in den kommenden Tagen mit der sogenannten "Due Diligence", also der Einsicht in die Geschäftsbücher, im elektronischen Datenraum beginnen. Der nächste Schritt wäre eine verbindliche Offerte an die mit dem Verkauf beauftragte Bank Dresdner Kleinwort.
Magna will zusammen mit der staatlichen russischen Sberbank 55 Prozent an Opel übernehmen, hat dafür aber Staatshilfen in großem Umfang gefordert. Momentan wird an den Details des Verkaufs gefeilt. Laut Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gibt es parallel Kontakt zu mehreren anderen Interessenten. Im Bieterverfahren waren neben Magna und BAIC noch der US-Finanzinvestor Ripplewood und der italienische Autohersteller Fiat aufgetreten.
Für die Bundesregierung und für GM ist der Einstieg der Chinesen in den Bieterprozess ein willkommenes Mittel, um den Druck in den Verhandlungen mit Magna zu erhöhen. Derzeit gehört Opel noch zu 65 Prozent einer vom deutschen Staat kontrollierten Treuhandgesellschaft und zu 35 Prozent GM. Mit dieser Lösung war Opel vor dem Strudel der Insolvenz seines Mutterkonzerns geschützt worden.