Bilanzexperte: "Kamps hat keine Rücklagen mehr" - DER SPIEGEL
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Bilanzexperte "Kamps hat keine Rücklagen mehr"

Der Bäckereikonzern Kamps kann zwar Rekordgewinne vorweisen. Müsste er nach US-Regeln bilanzieren, steckte er jedoch tief in den roten Zahlen, sagt Karlheinz Küting, Professor für Wirtschaftsprüfung.
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Düsseldorf - Aus der Kamps-Jahresbilanz gehe hervor, dass der Großbäcker über keinerlei Rücklagen mehr verfüge, schreibt der Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung der Universität Saarbrücken in einem Gastbeitrag für die "Welt". Sowohl bei Kapital- als auch bei Gewinnrücklagen finde der Leser eine Null im Geschäftsbericht. Dies sei ein Novum in der deutschen Bilanzierungspraxis.

Nach den US-Bilanzierungsregeln IAS und GAAP müsse der Geschäfts- oder Firmenwert erfolgswirksam abgeschrieben werden. Nach HGB-Vorschriften dürfe er auch erfolgsneutral gegen die Rücklagen verrechnet werden. Soweit eben möglich, habe Kamps im Jahr 2000 die letztere Verfahrensweise gewählt. Die Verrechnung von 2,08 Milliarden Mark gegen das Eigenkapital führte dazu, dass Kamps zum 31. Dezember 2000 über keine Kapitalrücklage und keine Gewinnrücklagen mehr verfügt. Weitere Geschäfts- oder Firmenwerte in Höhe von 896 Millionen Mark konnten auf Grund fehlender Rücklagen nicht mehr erfolgsneutral verrechnet werden.

Der so genannte Geschäfts- oder Firmenwert ist die Differenz zwischen dem Kaufpreis der Anteile einer Firma und dem zu Zeitwerten angesetzten Reinvermögen. Der angegebene Geschäfts- oder Firmenwert kann sich als wertlos erweisen, wenn für das Unternehmen ein unangemessener Kaufpreis gezahlt wurde. In der klassischen Bilanzanalyse wird der Geschäfts- oder Firmenwert deshalb aus Vorsichtsgründen gegen das bilanzielle Eigenkapital aufgerechnet. Doch auch wenn Kamps nach US-Regeln bilanziert hätte: Pleite wäre das Unternehmen so auch nicht.

Zukünftige Gewinne werden geringer ausfallen

Der relativ hohe Geschäfts- oder Firmenwert von 896 Millionen Mark wird allerdings die zukünftigen Gewinne stark schmälern. Für den Fall, dass Kamps zum Beispiel eine zehnjährige Verrechnung wählt, wird der Überschuss in jedem einzelnen der kommenden zehn Jahre um rund 90 Millionen Mark reduziert. Der ausgewiesene Geschäfts- oder Firmenwert übersteigt das Eigenkapital um 212 Prozent.

Vor diesem Hintergrund verlieren die jüngsten Rekordzahlen des Großbäckers ihren Glanz. Das operative Ergebnis sei im ersten Quartal 2001 vor Firmenwertabschreibungen um 1,8 Millionen auf 23,1 Millionen Euro gestiegen, teilte Kamps heute mit. Der Nettoumsatz wuchs vor allem durch Beiträge der zuletzt zugekauften niederländischen Quality Bakers und der französischen Kette Harry's auf 412,7 (Vorjahr 299,7) Millionen Euro. In diesem Jahr seien allerdings keine weiteren großen Übernahmen geplant, sagte Konzernchef Heiner Kamps.

Kamps will im Gesamtjahr 2001 den Umsatz um mindestens 20 Prozent und den Gewinn noch über diesen Prozentsatz hinaus steigern. Schon in den vergangenen Jahren war der expansionsfreudige Großbäcker vor allem durch Zukäufe gewachsen und hatte seine Umsätze in den vergangenen Jahren teilweise verdreifacht. Die Aktionäre könnten für 2001 mit einer "kontinuierlichen Dividende" rechnen, sagte Firmenchef Kamps. Im vergangenen Jahr schüttete das Unternehmen an die Anteilseigner 0,05 Euro je Stückaktie aus.

Die Vorwürfe zur Bilanzierung wies Kamps allerdings entschieden zurück. Sie seien nicht neu und würden auch durch Wiederholung nicht zielführender, sagte Kamps. Dass sich der Jahresüberschuss im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr verringert habe, sei unter anderem auch durch den späten Ostertermin zu erklären. Die Herstellungskosten für das Ostergeschäft seien im ersten Quartal angefallen, die Umsätze würden hingegen erst im zweiten Jahresviertel verbucht.