Bilanzfälschung WorldCom kommt milde davon
New York/Clinton - Neun Milliarden Dollar hat der Konzern aus Clinton, Mississippi, falsch verbucht - aber eine Geldstrafe wird er dafür zunächst nicht zahlen müssen.
Stattdessen verpflichtet der Vergleich den Konzern dazu, in Zukunft nicht mehr gegen Wertpapiergesetze verstoßen. Um dieses Ziel zu erreichen, soll WorldCom seine führenden Mitarbeiter und das Finanzpersonal besser ausbilden lassen. WorldCom gab dies am Dienstag bekannt. Eine zivilrechtliche Wertpapierbetrugs-Klage der Aufsichtsbehörde ist damit erst einmal beigelegt.
Keule in der Hinterhand
Der Konzern musste sich allerdings damit einverstanden erklären, dass das Gericht oder die SEC in Zukunft zivilrechtliche Strafen oder andere angemessene Sanktionen verlangen können. Diese Möglichkeit zukünftiger Strafen ist nach Darstellung von US- Rechtsexperten das wichtigste Druckmittel, um WorldCom von weiterem Fehlverhalten abzuhalten.
Der Telekomkonzern wird zudem einen Berater anstellen, der die Wirksamkeit der internen Kontrollen überprüft. Ein gerichtlich bestellter Unternehmensbeauftragter soll feststellen, ob die Überwachungsmaßnahmen der Firma angemessen und effektiv sind.
Raus aus dem Konkurs
Der Noch-Chef des Konzerns, John W. Sidgmore, nannte den Vergleich einen wichtigen Meilenstein für die Restrukturierungsbemühungen. Die Auflagen stünden im Einklang mit Maßnahmen, die WorldCom bereits eingeleitet habe. Sidgmore wird am 2. Dezember von Michael Capellas abgelöst, dem ehemaligen Präsidenten des PC-Konzerns Hewlett-Packard.
Der zuständige Bundesrichter Jed Rakoff bezeichnete das Abkommen als Modell für derartige Fälle. Rakoff werde im kommenden Jahr entscheiden, wie hoch eine etwaige Strafe sein solle. Der gerichtlich bestellte Beobachter Richard Breeden sagte, die Strafe könnte mehrere Hundertmillionen Dollar betragen - oder ganz entfallen, wenn sich das Unternehmen wandele und Rakoff zu dem Schluss komme, dass finanzielle Strafen sinnlos seien.
WorldCom, die zweitgrößte US-Ferngesprächsfirma, hatte im Juli Konkurs angemeldet. Das Unternehmen hat unbezahlte Schulden von mehr als 40 Milliarden Dollar. Es will versuchen, bald wieder aus dem Konkursverfahren herauszukommen. Dabei dürfte der SEC-Vergleich nach Ansicht von Marktkennern helfen.